Interpol fahndet nach Kinderschänder
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Interpol fahndet nach Kinderschänder

Interpol hat eine weltweite Fahndung nach einem mutmasslichen Kinderschänder gestartet. Sie hofft, so die Identität dieses Mannes festzustellen - er sei «eine grosse Gefahr für kleine Kinder».

Erst zum zweiten Mal veröffentlichte die internationale Polizeiorganisation Fotos eines Pädophilen, um Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Der Mann wurde auf zahlreichen Bildern im Internet beim Missbrauch von südostasiatischen Jungen entdeckt. Die erste Foto-Fahndung von Interpol im Oktober hatte nach kurzer Zeit zur Festnahme eines kanadischen Sextouristen in Thailand geführt.

Trotz zweijähriger internationaler Ermittlungen habe man weder Identität, noch Nationalität oder Aufenthaltsort des nun gesuchten Mannes ermitteln können, erklärte die Polizeiorganisation. Deshalb habe man keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als mit seinem Bild an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Mann stelle eine Gefahr für kleine Kinder dar, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble. «Weitere Opfer müssen vor ihm geschützt werden.»

«Vermutlich gibt es wesentlich mehr Opfer»

Auf den sechs veröffentlichten Bildern ist ein Mann zwischen 40 und 50 Jahren mit heller Haut, kurzen, blonden Haaren und Brille zu sehen. Die Fahnder stiessen 2006 zum ersten Mal auf den mutmasslichen Kinderschänder; Fotos von ihm beim schweren sexuellen Missbrauch von mindestens drei sechs bis zehn Jahre alten Jungen seien auf der Festplatte eines Pädophilen in Norwegen entdeckt worden, sagte Kirstin Kvigne in einem Interview mit der AP am Interpol-Hauptquartier in Lyon. Vermutlich gebe es wesentlich mehr Opfer.

Sie zeigte der AP auch Bilder, die nicht veröffentlicht werden. Auf einem ist der Mann beim Oralsex mit einem schmalen, südostasiatisch aussehenden Jungen zu sehen. Auf einem weiteren liegt er zwischen zwei Jungen, die sein Geschlecht berühren. «Die Fotos sind im Internet erschienen», betonte Kvigne. «Der Täter hat also selbst die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.» Die Aufnahmen seien vermutlich zwischen April 2000 und Mai 2001 entstanden. Beim Abgleich fanden die Fahnder im Internet 800 Fotos, auf denen entweder der Mann, seine Opfer oder die Räume, in denen sie missbraucht wurden, zu erkennen sind.

Keinen Unschuldigen an den Pranger stellen

Im Oktober war der 32-jährige Lehrer Christopher P. in Thailand festgenommen worden - nur elf Tage nachdem Interpol die erste Foto-Fahndung gestartet hatte. Der Kanadier hatte sein Gesicht durch einen Pixel-Strudel unkenntlich gemacht. Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) gelang es aber, den Strudel «zurückzudrehen» und so ein klares Bild des Mannes zu rekonstruieren. Damit konnte er umgehend identifiziert werden. Im März begann der Prozess wegen Verdachts auf Missbrauch eines neun Jahre alten Jungen.

Im neuen Fall versuchte der Mann nicht, sein Gesicht zu verzerren. Manche Kinderschänder würden ihre Identität bewusst preisgeben, um Vertrauen in Pädophilen-Zirkeln und damit Zugang zu mehr perversen Bildern oder weiteren Opfern zu erlangen, sagte Kvigne.

Man habe die Entscheidung, das Foto des Mannes zu veröffentlichen, sehr gründlich abgewogen. Das grösste Risiko sei, einen Unschuldigen an den Pranger zu stellen. «Aber unsere Priorität ist der Schutz der Kinder.» Wer den Mann zu erkennen glaube, solle sich ausschliesslich an die regionale Polizei oder direkt an Interpol wenden, aber auf keinen Fall selbst einschreiten. Zudem hoffe man, der Gesuchte werde sich selbst stellen.

http://www.interpol.int/ (dapd)

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