Kriminalität: Interpol setzt auf Internet-Fahndung
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KriminalitätInterpol setzt auf Internet-Fahndung

Trotz einer Grossaktion hat Interpol erst rund 107 von 450 gesuchten Schwerverbrechern dingfest gemacht. Nun bittet die Polizeibehörde die Internetnutzer um Hilfe.

Der Aufwand ist gross: Für die Aktion «Infra-Red 2010» versammelt Interpol über 50 Polizeikräfte aus 29 Ländern um sich um rund 450 Verbrecher zu kümmern, die schon seit längerer Zeit auf der Flucht sind. Seit Beginn der Aktion am 3. Mai wurden denn auch 107 Verbrecher geschnappt, wie es auf der Website der in Lyon ansässigen Organisation hiess. Noch fehlen aber rund 350.

Die internationale Polizeibehörde Interpol will diese Verbrecher mit Hilfe von Internet-Nutzern dingfest machen. An der Spitze der Fahndungsliste setzte Interpol 26 Flüchtige, die möglicherweise auch über soziale Netzwerke und Chatrooms im Internet entdeckt werden könnten. Sie werden wegen Menschenhandels, Mordes und Kindesmissbrauchs gesucht.

«Es ist wahrscheinlicher, dass jemand diese Flüchtigen auf der Website eines sozialen Netzwerkes oder Chatrooms erkennt, als sie auf der Strasse zu entdecken», erklärte der stellvertretende Interpol-Direktor für die Suche nach Flüchtigen, Martin Cox. Viele Flüchtige glaubten wahrscheinlich, dass sie entkommen seien und nicht länger gesucht würden.

Nicht die erste Grossaktion

Zu den bisher Festgenommenen gehört unter anderem das frühere kolumbianische Model Angie Sanclemente Valencia, das wegen Drogenhandels gesucht und im Mai in Argentinien gefasst wurde. In Haft ist seit Mitte Juni auch Mouamba Munanga aus der Demokratischen Republik Kongo, den Frankreich und Bahrein wegen Geldwäsche und - fälschung gesucht hatten.

«Die Operation war sehr erfolgreich dabei, eine grosse Zahl der Gesuchten ausfindig zu machen und zu verhaften», erklärte Cox. Übrig blieben jetzt die Fälle, bei denen die Polizeibehörden bisher «keine neuen Informationen über den Verbleib» der Gesuchten erhalten hätten. «Deshalb bitten wir die Öffentlichkeit um Hilfe.»

Interpol hatte in den vergangenen Jahren schon mehrfach gezielt nach einzelnen Verdächtigen über das Internet gefahndet. In den USA wurde dadurch 2008 ein Mann festgenommen, der sich in Thailand an Kindern vergangen hatte. Interpol stellte dazu Bilder des Mannes aus Pädophilenfilmen ins Netz.

(sda)

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