Aktualisiert 29.03.2011 00:06

Krieg in LibyenInterpol soll UNO gegen Gaddafi unterstützen

Die internationale Polizeibehörde soll der UNO helfen, Sanktionen gegen Gaddafi durchzusetzen. Die Alliierten berieten derweil per Videokonferenz ihr weiteres Vorgehen.

Die Lage am Montagmorgen

Die internationale Militärallianz hat laut einem Bericht des libyschen Staatsfernsehens erstmals Luftangriffe auf Sirte, die Heimatstadt von Machthaber Muammar al Gaddafi, geflogen. Ausländische Journalisten berichteten am Sonntagabend über laute Explosionen und Kampfflugzeuge über der Hochburg von Gaddafis Anhängern. Auch sonst machten die Rebellen Terrain gut. Nach den Städten Adschdabija und Brega fiel den Aufständischen am Sonntag auch der strategisch wichtige Ölhafen Ras Lanuf wieder in die Hände.

Ausgelassen feierten die Aufständischen am Sonntag die Einnahme der Ölhäfen Brega und Ras Lanuf, nachdem sie schon am Samstag die Küstenstadt Adschdabija, knapp 160 Kilometer südlich der Rebellenhochburg Benghasi, zurückerobert hatten.

«Es gibt hier keine Gaddafi-Truppen mehr, die Rebellen haben Brega unter ihrer vollen Kontrolle», sagte Rebellenkommandant Ahmed Dschibril in Brega. Gaddafis Soldaten seien bereits am Samstagabend nach einem «kleinen Gefecht» geflohen.

Die Nachrichtensender BBC und Al-Jazeera zeigten Aufnahmen von brennenden und zerstörten Panzern und Schützenpanzern, von Kampfflugzeugen der westlichen Koalition ausser Gefecht gesetzt. Vielfach hatten die Gaddafi-Milizen ihre Fahrzeuge einfach stehen gelassen.

Den Bodengewinnen der Regimegegner waren in der Nacht zum Samstag massive Luftangriffe der westlichen Koalition auf die Gaddafi-Truppen bei Adschdabija vorausgegangen. Wie das Pentagon in Washington mitteilte, flog die Koalition unter Führung der USA, Frankreichs und Grossbritanniens insgesamt 160 Einsätze.

In Misrata zerstörte die französische Luftwaffe nach Angaben des Generalstabs in Paris «mindestens» fünf Kampfflugzeuge und zwei Helikopter der libyschen Armee. Gaddafi-Truppen bombardierten die Stadt am Samstag nach Angaben der Rebellen erneut. Laut einem Arzt gab es drei Tote.

Regime gesteht Niederlage ein

Das Regime in Tripolis gestand die Niederlage ein, sprach aber von hohen zivilen Verlusten durch die Luftangriffe. Regierungssprecher Ibrahim Mussa sagte in der Nacht zum Sonntag, die westliche Koalition habe Gaddafi-Truppen auf dem 400 Kilometer langen Abschnitt zwischen Adschdabija und Sirte massiv angegriffen.

Das Staatsfernsehen berichtete ausserdem, die Flugzeuge hätten «militärische und zivile Areale» in der Stadt Sebha, 800 Kilometer südlich von Tripolis, bombardiert. «Die Luftangriffe gegen unser Volk gehen mit voller Kraft weiter», sagte Mussa.

US-Verteidigungsminister Robert Gates warf dem Gaddafi-Regime vor, Leichen von Zivilisten an Angriffsorte der Koalitionsstreitkräfte legen zu lassen. Er betonte in einem Interview des US-Fernsehsenders CBS, dass die Koalitionsstreitkräfte «äusserst vorsichtig» vorgegangen seien.

Wichtige Ölexporte

Nach Ansicht von Grossbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox sind die Aufständischen bald in der Lage, die Kontrolle über die Ölexporte des Landes zu übernehmen. Damit könnten sie die «politische Dynamik» des Konfliktes entscheidend ändern, sagte Fox in einem Interview der BBC.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor schon von «wichtigen Fortschritten» der internationalen Militäraktion gesprochen. «Gaddafi hat das Vertrauen seines Volkes sowie die Rechtmässigkeit zur Herrschaft verloren», sagte er in seiner wöchentlichen Radioansprache am Samstag.

NATO übernimmt Führung

Am Sonntagabend übernahm die NATO wie angekündigt die Führung des gesamten internationalen Militäreinsatzes in Libyen. Die Botschafter der 28 Bündnisstaaten stimmten in Brüssel einem Operationsplan zu, wie Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mitteilte. Er sieht vor, dass die NATO künftig auch die Einsätze zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung leiten wird.

Als Ausweg aus dem Konflikt brachte Italiens Aussenminister Franco Frattini ein Exil für Gaddafi ins Gespräch. Italien habe einen Plan und werde «sehen, ob daraus ein deutsch-italienischer Vorschlag» werden könne, sagte Frattini der Zeitung «La Repubblica».

Er wolle den Plan, der unter anderem einen von der UNO überwachten Waffenstillstand beinhalte, am Dienstag in London vorstellen. An dem Treffen wollen Vertreter aus mehr als 35 Ländern teilnehmen.

(sda/dapd)

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