Lieber Phil Geld: Intime Fragen des Vermieters beantworten?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldIntime Fragen des Vermieters beantworten?

Pascal (35) sucht eine neue Wohnung in der Stadt Zürich und ist ziemlich erstaunt, was der Vermieter alles von ihm wissen will.

Einige Vermieter in Quartieren mit hoher Kriminalität betrachten es als legitim, vom potenziellen Mieter einen Auszug aus dem Strafregister zu verlangen.

Einige Vermieter in Quartieren mit hoher Kriminalität betrachten es als legitim, vom potenziellen Mieter einen Auszug aus dem Strafregister zu verlangen.

Lieber Phil Geld,

ich suche eine neue Wohnung in der Stadt Zürich. Es erstaunt mich sehr, wie viele teils intime Informationen die Verwaltung via Anmeldeformular sammelt. Offenbar verlangen einige Vermieter neben dem Betreibungsregisterauszug auch noch den Strafregisterauszug. Muss man sich das alles gefallen lassen?

Lieber Pascal

Grundsätzlich kann sich der Vermieter seine Kundschaft auswählen. Und er ist in der heutigen Situation mit sehr tiefem Leerwohnungsbestand im Vorteil. Sogar das Gespenst der Wohnungsnot macht die Runde. Prekär ist die Situation in Zürich: Von 1000 Wohnungen ist im Schnitt nur knapp eine Wohnung leer.

Unbestritten ist: Der Vermieter bzw. die von ihm eingesetzte Verwaltung darf den Betreibungsauszug verlangen. Sie gibt ihm einen Hinweis, ob der Kandidat tatsächlich die Miete bezahlen kann. Weitergehende Fragen zur finanziellen Situation sind jedoch nicht zulässig. So etwa Fragen nach Abzahlungs- und Leasingverträgen, Restschuld auf Mobiliar oder Lohnzessionen. Sie stellen einen unverhältnismässigen Eingriff in die Privatsphäre des Mietinteressenten dar. Das gilt insbesondere auch für das so genannte Leumund-Zeugnis, den Strafregisterauszug. Einzelne Besitzer von Immobilien in Quartieren mit hoher Kriminalität haben jedoch sehr wohl ein berechtigtes Interesse, einen Auszug aus dem zentralen Strafregister zu verlangen.

Unzulässig sind auch Fragen zur Mitgliedschaft des Mietinteressenten oder anderer Personen bei einer Mieterschutzorganisation oder über bestehende chronische Krankheiten. Viele weitere Fragen sind im Graubereich angesiedelt. Unter besonderen Voraussetzungen sind sie erlaubt, wie der Eidg. Datenschutzbeauftragte festhält. Sie dürfen nicht willkürlich sein, sondern müssen in der statutarischen Zielsetzung der Liegenschaftsverwaltung begründet sein: Dazu gehören Fragen über Konfession, Nationalität, Musikinstrumente, unregelmässige Arbeitszeiten, Anzahl Wohnungswechsel in den letzten Jahren oder Grund des Wohnungswechsels.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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