Seefrösche: Invasion der quakenden Plaggeister
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SeefröscheInvasion der quakenden Plaggeister

Erst wurde er wegen seiner Schenkel importiert. Jetzt wird er zur Plage. Der Seefrosch breitet sich im Rheintal aus und verdrängt heimische Arten.

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Dieses Biotop am Wüerlegraba in Ruggell (Fürstentum Liechtenstein) wurde vor rund zwei Jahren erstellt.

Dieses Biotop am Wüerlegraba in Ruggell (Fürstentum Liechtenstein) wurde vor rund zwei Jahren erstellt.

Gemeinde Ruggell
Ende Mai wurde es zugeschüttet.

Ende Mai wurde es zugeschüttet.

Gemeinde Ruggell
Grund sind zahlreiche Reklamationen von Anwohnern.

Grund sind zahlreiche Reklamationen von Anwohnern.

Gemeinde Ruggell

Seine Rufe sind so laut, dass die Leute nachts kerzengerade im Bett sitzen. Und die Tiere vermehren sich: Der invasive Seefrosch nimmt im Rheintal immer mehr Lebensräume in Beschlag und verdrängt einheimische Amphibien. So sehr, dass seine Ausbreitung gestoppt wird, indem Biotope wieder zugeschüttet werden, weil die Seefrösche zu laut quaken und den Menschen so den Schlaf rauben (20 Minuten berichtete). Die Lautstärke soll bis zu 90 Dezibel erreichen. Vor allem im Chor soll der Frosch lauter sein als ein Presslufthammer.

Seefrosch verdrängt einheimische Arten

Ursprünglich kam der Seefrosch als Delikatesse in die Region. Vermutlich entwischten einige Tiere, die als lebende Froschschenkel per Bahn aus dem Osten ins Rheintal importiert wurden. Die Art breitete sich rasant aus und ist seither nicht mehr wegzukriegen. «Der Seefrosch ist eine heikle und invasive Art», so Jonas Barandun, Leiter der zuständigen Fachstelle für Amphibienschutz in St. Gallen. Durch seine Grösse und Gefrässigkeit verdrängt der Seefrosch einheimische Arten und bedroht so die Vielfalt.

Eindämmung der Invasion kaum möglichh

Die aktive Bekämpfung wurde jedoch längst aufgegeben: «Früher wurde noch versucht, die Tiere wegzubringen oder zu vergiften. Das ist illusorisch, denn der Seefrosch hat sich hier schon grossflächig ausgebreitet», so Barandun. Eine Studie der Universität Basel gibt ihm Recht. Die Massnahmen seien fragwürdig und kaum durchführbar, so die Autoren der Studie. Barandun: «Das Einzige, was wir tun können, ist die Situation zu beobachten und hoffen, dass das Klima die Vermehrung nicht noch mehr fördert.»

Im Bündnerland wird der Frosch noch bekämpft

Unterdessen hat sich die Art bis in den Kanton Graubünden ausgebreitet. Anders als im Kanton St. Gallen wird ihr Bestand hier noch aktiv reguliert. Soweit es eben möglich ist, werden die gefrässigen Seefrösche von den Fachleuten fachmännisch ins Jenseits befördert. Hans Schmocker von der Bündner Interessensgemeinschaft für Reptilien- und Amphibienschutz erklärt die Vorgehensweise: Die Tiere würden eingefangen und schrittweise heruntergekühlt. «Ihre Körper fahren immer mehr herunter, bis sie kaum mehr aktiv sind.» Schliesslich würden die Tiere eingefroren. «Ich denke, dass diese Methode die vertretbarste ist», so der Amphibien-Experte. Das Projekt zur Eindämmung der eingeschleppten Art diene letztlich der Artenvielfalt, so Schmocker. «Wir sind nicht einfach Frosch-Killer», betont er.

So klingt ein Seefrosch:

(20Min/sda)

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