Aktualisiert 01.03.2013 15:07

«Robots on Tour»

Invasion in Zürich – die Androiden kommen

Die besten dem Menschen nachempfundenen Roboter versammeln sich am 8. und 9. März in Zürich. Forscher aus aller Welt zeigen, warum sie Maschinen menschliche Züge geben wollen.

von
Beat Glogger

Aufgerufen zum Kongress «Robots on Tour» hat Rolf Pfeifer, der Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz der Uni Zürich. Seit 25 Jahren forscht er an so genannten humanoiden Robotern, deren Bauweise und Funktionen denen des Menschen abgeschaut sind.

Dies hat seinen guten Grund. «Die Roboter von früher waren zu schwer und zu sehr wie Maschinen konstruiert», sagt Pfeifer. «Wir müssen sie einfacher machen, dann werden sie auch besser.» Deshalb kopieren Robotiker Bewegungen (siehe Bildstrecke oben), aber auch Oberflächen und sogar Gesichtsausdrücke des Menschen. Denn die Natur ist immer noch das beste Vorbild.

«Roboter als Teil der Gesellschaft»

Pascal Kaufmann, warum muss ein Roboter aussehen wie ein Mensch?

Will man Roboter zum Beispiel im Gesundheitswesen einsetzen, dürfen sie nicht wie Gabelstapler aussehen. Wir wollen Roboter so bauen, dass sie in die Gesellschaft integriert werden könnten.

Wann werden Roboter intelligenter sein als der Mensch?

Es kommt drauf an, wie man Intelligenz definiert. Wenn man einen Schachspieler als intelligent bezeichnet, dann gibt es schon lange Roboter, die dem Menschen überlegen sind. Aber das sind sie eben nur in einem ganz bestimmten Bereich.

Schürt man mit Maschinen wie Roboy nicht die Angst, dass Roboter den Menschen unterwerfen oder ihn ersetzen?

Nein, mit dem herzigen Roboter wirken wir dieser Angst entgegen. Die Leute sehen an seinem Beispiel, wie weit die Forschung derzeit ist. Und sie verstehen, dass es noch einiges braucht, bis die Roboter gleich viel können wie der Mensch.

Mit Ihrem Wissen kann man auch Kriegsroboter bauen.

Das ist in der Wissenschaft immer so. Wenn Sie eine Linse oder ein neues Material erfinden, kann das immer zum Guten wie zum Schlechten eingesetzt werden.

Anders gefragt: Würden Sie für die Rüstungsindustrie eine Führung durch Ihr Labor geben?

Das lässt sich ganz klar beantworten: nein.

Beat Glogger

Neurobiologe Pascal Kaufmann. (Bild: STARMIND)

Pascal Kaufmann ist einer der Väter des menschenähnlichen Roboters Roboy. Er arbeitet am Labor für Künstliche Intelligenz der Uni Zürich.

Humanoide Zukunft?

«Intelligenz ist einer der meistgeschätzten Werte in unserer Gesellschaft. Darum wecken intelligente Roboter Ängste. Sie erinnern an Science-Fiction, Hollywood und «Terminator». Dabei haben intelligente Maschinen schon jetzt viele Tätigkeiten von Menschen übernommen: Sie rechnen, saugen Staub oder schweissen Motoren zusammen.

Und sie sind uns in vieler Hinsicht überlegen, weil sie schneller, zuverlässiger und billiger sind. Das stört nicht, solange es sich um Einzeltätigkeiten und spezialisierte Geräte handelt. Doch je menschenähnlicher uns die Maschinen sind, desto mehr bereiten sie uns Sorgen. Sollen wir also solche humanoiden Roboter entwickeln?

Mit Roboy haben wir uns bewusst für einen Androiden entschieden. Er ist Botschafter und Wegbereiter für eine neue Generation von Robotern, die künftig mit uns den Lebensraum teilen und nützliche Aufgaben erfüllen werden. Mit ihnen werden wir gerne zusammen sein. Roboy ist eine Forschungsplattform, von der wir lernen können, wie man intelligente Systeme baut. Die Prinzipien können wir anwenden, ohne dass das Endprodukt humanoid aussehen muss.»

Rolf Pfeifer (Bild: D. Landwehr)

Rolf Pfeifer ist Direktor des Labors für künstliche Intelligenz der Uni Zürich. Neben menschenähnlichen Robotern erforscht er solche, die aussehen wie Fische oder Quallen.

Video: Roboy, das jüngste Kind aus dem Labor für Künstliche Intelligenz der Uni Zürich

(Quelle: Youtube/Roboy Junior)

Video: Affetto, der Roboter, der Gefühle zeigt

(Quelle: Youtube/projectaffetto)

Video: Female Android Geminoid F

(Quelle: Youtube/LACHELT2012)

Video: Ranger - der Roboter, der einen Langstrecken-Weltrekord aufstellen will

(Quelle: Youtube/Pranav Bhounsule)

Video: Baxter - der Serviceroboter

(Quelle: Youtube/spectrummag)

Video: Nao - läuft, spricht und räumt auf

(Quelle: Youtube/GerbilGod7)

Video: Quadrokopter Flug-Akrobatik

(Quelle: Youtube/TEDxTalks)

Profis diskutieren

Wie werden Mensch und Maschine zusammen leben? Das diskutieren Forscher am Kongress «Robots on Tour» im Café Sphères in Zürich. In einer Podiumsdebatte geht es unter anderem darum, ob Roboter die Alterspflege übernehmen werden.

Eintritt frei.

Fr., 8.3., 8.45–17 Uhr

Sphères

Hardturmstrasse 66

Zürich

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Roboter für alle

Roboter aus der ganzen Welt können Besucher an der Robotershow im Puls 5 in Zürich erleben. Ein Laufroboter will mit einer Batterieladung 65 Kilometer marschieren, Quadrokopter bieten eine Flugshow und Roboter aus Hollywoodfilmen lassen sich bestaunen.

Sa., 9.3., 9–20 Uhr

Puls 5

Giessereistrasse 18

Zürich.

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