Aktualisiert 21.08.2012 13:41

Risiko-Anlage FussballInvestorenlegende Soros steigt bei ManU ein

Was Börsenguru George Soros anfasst, wird in der Regel zu Gold. Nun kauft er Aktien des Nobelclubs Manchester United. Schon manch eine Fussball-Aktie hat sich aber als Eigentor erwiesen.

von
sas
Trader in New York tragen am Tag des Börsengangs von ManU Anfang August die Trikots des englischen Rekordmeisters.

Trader in New York tragen am Tag des Börsengangs von ManU Anfang August die Trikots des englischen Rekordmeisters.

Fast keiner kennt die Finanzwelt besser als der 81-jährige George Soros. Mit seinen Deals hat der Grossinvestor ein Vermögen von 22 Milliarden Dollar («Forbes»-Magazin) angehäuft. Zur Legende machte sich Soros 1992, als der Hedgefondsmanager gegen das überbewertete britische Pfund spekulierte und über Nacht einen Milliardengewinn realisierte.

Nun wagt der Amerikaner eine Investition ins Fussballgeschäft. Wie Soros' Hedgefonds Quantum der amerikanischen Börsenaufsicht mitteilte, hielt er zuletzt 7,85 Prozent der A-Klasse-Aktien von ManU. (Bei ManU entspricht eine A-Aktie einem Stimmrecht. Bei B-Klasse-Aktien sind es 10 Stimmrechte pro Papier.)

Hoffen auf Soros

Durch den Börsengang erzielte der englische Traditionsverein Anfang Juli Einnahmen von gut 233 Millionen Dollar. Sie gingen je zur Hälfte an ManU und die amerikanische Eigner-Familie Glazer. Mit dem Geld wollte der Club einen Teil seiner Schulden abbauen und neue Spieler kaufen. Der Verein hatte zuletzt einen Verlust von 437 Millionen Pfund (rund 680 Millionen Dollar) erzielt.

ManUs Börsengang muss als Flop bezeichnet werden. Die Besitzerfamilie hatte sich ursprünglich einen Preis von 20 Dollar je Aktie erhofft. Weil der Titel bei den Investoren aber durchfiel, musste das Papier für 14 Dollar abgegeben werden. Die Aktie drohte bereits beim Börsengang abzustürzen, was vermutlich nur deswegen nicht geschah, weil die am Börsengang beteiligten Banken Stützungskäufe tätigten. Derzeit notiert das ManU-Papier in New York bei rund 13 Dollar. Mit dem Einstieg von Soros könnte wieder Schwung in die Aktie kommen.

Börsentechnische Wundertüten

Investitionen in Fussball-Aktien bergen hohe Risiken. Die Vereine sind börsentechnische Wundertüten und gelten als «Zockerpapiere». Während der Aktienkurs eines normalen Unternehmens den Erfolg seiner Produkte in der Zukunft widerspiegelt, hängt bei den Fussballclub-Aktien zu viel am sportlichen Erfolg. «Die meisten Fussballvereine haben nicht den erhofften Erfolg an der Börse verzeichnet», sagte Stefan Ludwig, von Beratungsfirma Deloitte Ende letzten Jahres dem «Handelsblatt».

Hinweise auf die Aktienentwicklung von kotierten Fussball-Clubs gibt der Stoxx-Europe-Football-Index. Er bildet die Performance von 21 europäischen Vereinen ab, darunter Giganten wie Ajax, Galatasaray oder Juventus. Innerhalb des letzten Jahres hat der Index über 18 Prozent verloren.

Bei Manchester United könnte aber alles anders sein. Der englische Rekordmeister war nämlich bereits einmal an der Börse – und zwar mit grossem Erfolg: Bis ManU 2005 vom heutigen Besitzer Malcolm Glazer aufgekauft wurde, war der Club in London an der Börse kotiert. Der Kurs der Aktie hatte sich in 14 Jahren verzehnfacht. Ob George Soros doch richtig liegt?

Europas Fussballclubs an der Börse

ClubLandAalborg BoldspilklubDKAjax AmsterdamNLAIK StockholmSEArhus EliteDKAS RomaITBesiktas IstanbulTRBorussia DortmundDEBröndby KopenhagenDKCeltic GlasgowGBFenerbahce IstanbulTRFC PortoPTGalatasaray IstanbulTRJuventus TurinITLazio RomITOlympique LyonnaisFRFC KopenhagenDKRuch ChorzowPLSilkeborg IFDKBenfica LissabonPTSporting LissabonPTTrabzonspor SportifTR

Quelle: STOXX® Europe Football

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