Inzest-Drama: Das Geständnis des Vaters
Aktualisiert

Inzest-Drama: Das Geständnis des Vaters

Aus dem schrecklichen Verdacht ist Gewissheit geworden: Im Amstettener Inzest-Fall hat der 73-jährige Josef Fritzl zugegeben, seine Tochter 24 Jahre eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Er sagte der Polizei auch, dass er die Leiche eines Kindes verbrannt habe.

Der furchtbare Inzest-Fall in Österreich ist nach Angaben der Polizei weitgehend aufgeklärt. Das Verbrechen sei im «Grossen und Ganzen» geklärt, sagte der Sicherheitsdirektor für Niederösterreich, Franz Prucher, am Montag bei einer Pressekonferenz in Amstetten, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete.

Nachdem der 73-jährige Josef Fritzl zuerst eisern schwieg, hat er nach zweitätigem Verhör gestanden, seine heute 42-jährige Tochter missbraucht und in dieser Zeit mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Der 73-Jährige sagte der Polizei weiter, er habe die Leiche eines verstorbenen Neugeborenen im Heizofen seines Wohnhauses verbrannt. Bisher hatte der Mann lediglich verlauten lassen, dass er «den Vorfall bedauere und ihm seine Familie leid tue», berichtete Bezirkshauptmann Heinz Lenze.

Lügenkonstrukt

Nach Angaben von Franz Polzer, dem Leiter der Kriminalpolizei Niederösterreich, hatte Josef Fritzl seine Tochter gezwungen, einen Brief zu schreiben, der sein eigenes Lügenkonstrukt stützen sollte. Sie habe schreiben müssen, dass sie ihre Kinder freiwillig in die Obhut ihrer Eltern gegeben habe.

Zudem habe der mutmassliche Täter seine Tochter in der Öffentlichkeit als einen schlechten Menschen darstellen wollen, der seine Kinder einfach aussetzt und den Grosseltern überlässt. «Der hat alle getäuscht.»

Mutter von Elisabeth Fritzl offenbar ahnungslos

Die österreichischen Behörden gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass die Mutter des Inzest-Opfers Elisabeth Fritzl nichts vom Martyrium ihrer Tochter gewusst hat. Rosemarie Fritzl habe offensichtlich keine Ahnung gehabt, was vor sich gehe, sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans Lenze am Montag. Nach Auskunft der Polizei habe niemand ausser dem Vater Zugang zu dem Keller-Verlies gehabt. Für die Frau des 73-jährigen Tatverdächtigen sei eine Welt zusammengebrochen. Es sei auch sehr verwunderlich, dass die Nachbarn nichts mitbekommen hätten. Die Polizei versuche unter anderem herauszufinden, ob und in welchem Masse aus dem Kellerverlies Geräusche nach draussen gedrungen sein könnten.

Aufwendige Spurensicherung

Die Spurensicherung setzte am Montag ihre Arbeit in dem rund 60 Quadratmeter grossen fensterlosen Verlies fort, in dem Elisabeth Fritzl sowie drei ihrer Kinder hausen mussten. Zugleich veröffentlichte die Polizei Fotos der nur 1,70 Meter hohen Räume, in die kein Tageslicht drang. Eine massive Stahlbetontür, die nur per Fernbedienung mit Zahlencode zu öffnen war, versperrt den Zugang. Es gibt eine einfache Kochmöglichkeit und ein winziges Bad, das mit Zeichentrickfiguren, Sternen und einem Spielzeugelefanten dekoriert ist. Auch die Betten in den Schlafräumen sind geschmückt mit Sternen und kleinen Zeichnungen, offenbar von Kinderhand gemalt. Ein Fernseher mit einem Videorekorder und ein Radio stellten für die Gefangenen anscheinend die einzige Verbindung zur Aussenwelt dar.

19-jährige Tochter in «kritischem, aber stabilem» Zustand

Die Polizei entdeckte das Verlies am Sonntag, nachdem Josef Fritzl verhaftet worden war. Ins Rollen kam der Fall gut eine Woche zuvor, als die 19-jährige Tochter von Elisabeth Fritzl bewusstlos ins Krankenhaus gebracht wurde, wo sie noch immer auf der Intensivstation liegt. Sie habe wegen Krampfanfällen unter Sauerstoffmangel gelitten, teilten die Ärzte mit. Am Montag wurde ihr Zustand als «kritisch, aber stabil» bezeichnet, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete.

Nach der stationären Aufnahme des Mädchens leiteten die Behörden eine Suche nach der Mutter ein, die zunächst spurlos verschwunden schien. Auf einen entsprechenden Hinweis hin wurde Elisabeth Fritzl schliesslich gefunden. Sie galt seit dem 29. August 1984 als vermisst.

Die 42-Jährige sowie ihre übrigen fünf Töchter und Söhne werden laut APA ebenfalls ärztlich behandelt. Die Mutter und die beiden anderen gefangen gehaltenen Kinder im Alter von fünf und 18 Jahren seien «blass, aber von durchaus normalem Ernährungszustand», hiess es. Alle würden von Psychotherapeuten betreut.

«Liebevoll grossgezogen»

Drei der Kinder, die Josef Fritzl mit seiner Tochter gezeugt hatte, wuchsen vergleichsweise normal bei ihrem Grossvater beziehungsweise Vater und dessen Frau auf. Die offizielle Version lautete, Elisabeth Fritzl habe die Babys in den 90er Jahren vor dem Haus ihrer Eltern abgelegt und in einem Begleitbrief um Hilfe gebeten. Die zuständige Jugendwohlfahrt habe sich in diesem Zusammenhang «nichts vorzuwerfen», sagte der Bezirkshauptmann und Leiter der Behörde, Hans Lenze, der APA. Die Ehefrau des Verdächtigen habe die drei vermeintlichen Findelkinder in «äusserst liebevoller Weise grossgezogen».

Die Polizei erklärte am Montag, es gebe nach wie vor eine «breite Palette an offenen Fragen». So sei völlig unklar, wie Josef Fritzl die Versorgung seiner Tochter und der Kinder bewerkstelligte. In dem Verlies hätten Hausgeburten stattgefunden, Säuglinge hätten betreut werden müssen. Der 73-Jährige habe «ein perfektes Doppelleben» geführt, sagte Lenze.

Der 73-Jährige wurde heute noch in die Justizvollzugsanstalt St. Pölten verlegt. Binnen 48 Stunden werde er nun dem Haftrichter vorgeführt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Gerhard Sedlacek. Der Richter werde den Mann aller Voraussicht nach in Untersuchungshaft einweisen. Nach zwei Wochen werde über eine Verlängerung der U-Haft bis zum Abschluss der Ermittlungen entschieden.

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$$VIDEO$$ (dapd)

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