Inzest-Drama: «Er war ein ganz netter Nachbar»
Aktualisiert

Inzest-Drama: «Er war ein ganz netter Nachbar»

Ein Vater hält seine Tochter 24 Jahre lang im Keller gefangen. Seine Frau will davon nie was bemerkt haben. Auch die Nachbarn beschreiben den 73-jährigen Mann als «sehr nett».

Ein ganzes Dorf ist fassungslos. Am Sonntag wird per Zufall der grösste Inzest-Skandal Österreichs publik. In Amstetten sind die Leute sprachlos. «Schrecklich», sagt eine Frau, eine andere «kann es nicht fassen». Auch die Presse meidet keine Kritik: Die Tageszeitung «Österreich» wirft den Behörden «Blindheit» vor. Sie seien wie beim Fall Natascha Kampusch unfähig gewesen, die Gefangenschaft von Elisabeth Fritzl früher aufzudecken. Es sei das «schlimmste Verbrechen aller Zeiten» in Österreich. Das Boulevard-Blatt «Kronen-Zeitung» bezeichnet Josef Fritzl als «Bestie».

Doch vor Sonntag war das noch alles anders: Frau und Herr Fritzl, der mutmassliche Täter, waren die netten Nachbarn von nebenan. Frau Fritzl wird zwar als energische Frau beschrieben, sie gilt aber als mütterlich und fürsoglich. «Sie ist eigentlich ganz nett, ich kenn' sie vom Einkaufen», weiss eine Nachbarin über die Ehefrau des Verdächtigen zu berichten.

«Ich kenne den Herrn Fritzl nur als alten grauhaarigen Mann, der ab und zu beim Fenster heruntergeschaut hat», sagt eine andere Anwohnerin. Sie habe die drei Kinder gekannt, die der 73-Jährige mit seiner Tochter gezeugt und mit seiner Ehefrau adoptiert hatte und bei ihm gross zog. «Die Elisabeth, die war verschwunden und hat immer wieder Kinder vor die Tür gelegt, so ist es halt erzählt worden», erklärt sie dem Onlinedienst «oe24.at». «Früher hab' ich sie schon gesehen, aber das ist sicher schon 20 Jahre her», erinnert sie sich.

Die Enkelkinder seien von Frau Fritzl gut versorgt worden: «Sie hat sich so gut um die Kinder gekümmert und sie immer in die Schule gebracht. Wir haben uns gedacht, ein Wahnsinn, wie die das alles packt mit ihrem Alter», meint eine weitere Nachbarin. Nach aussen hin hat Josef Fritzl behauptet, dass die Tochter in einer Sekte lebe und die Kinder vor seiner Tür abgelegt habe, weil sie sich nicht um sie kümmern könne, sagten die Ermittler. Die Behörden hätten vergeblich nach der seit 1984 verschwundenen Frau gesucht. «Wer soll auf die Idee kommen, dass die leibliche Mutter im Keller eingesperrt ist», sagte Lenze.

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Grafik: Das Inzest-Verlies

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