Inzest-Drama: Flucht war unmöglich
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Inzest-Drama: Flucht war unmöglich

Die von dem geständigen Inzest-Täter im Keller eingesperrten Opfer hatten nach Einschätzung der Polizei keine Chance zur Flucht.

Der Tatverdächtige habe immer die Fernsteuerung der mit einem Code elektronisch gesicherten Tür mitgenommen und seinen Gefangenen erklärt, dass sie alle niemals wieder hinauskämen, wenn ihm etwas zustossen sollte, sagte der Polizeichef von Niederösterreich, Franz Polzer, der Nachrichtenagentur APA zufolge am Montag vor Journalisten.

Auch müsse man sich vorstellen, dass die Kinder, die ja kein anderes Leben kannten, ihn gewissermassen als Vater und damit als Autorität gesehen haben dürften. Ob ein Stockholm-Syndrom vorliege, müssten Psychiater beantworten.

Offenbar habe sich der 73-Jährige auf diese eine Tochter seiner insgesamt sieben Kinder beschränkt, erklärte Polzer weiter. Es gebe keine Hinweise auf Missbrauch der ebenfalls erwachsenen Geschwister von Elisabeth F. Ob der Festgenommene Reue über seine Tat empfinde, sei nicht Gegenstand der Vernehmung gewesen. Er sei auch von den befragenden Kriminalisten nicht angehalten worden, sein Vorgehen zu rechtfertigen - dafür werde der 73-Jährige Gelegenheit bei der Justiz haben.

Als Elisabeth F. 1984 in den Keller gezerrt wurde, hatte sie laut Polzer zunächst einen Raum mit Sanitäreinrichtung zur Verfügung, der bereits im Grundriss des in den 1960er Jahren errichteten Hauses enthalten gewesen sein dürfte, wie APA weiter berichtete. Im Lauf der Zeit dürften Durchbrüche und Anbauten - teilweise unter dem Garten gelegen - erfolgt sein.

Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze verwies auf eine Aussage von Bürgermeister Herbert Katzengruber, wonach die Baugenehmigung überprüft würde. Untersucht wurden laut Polzer auch weitere Liegenschaften des Verdächtigen, wo es jedoch nichts Auffälliges gab.

Zur Rolle der Behörden im Zusammenhang mit den von den Grosseltern betreuten Kindern sagte Lenze laut APA, die Liste der persönlichen Kontakte der Sozialarbeiterinnen sei lang. Die Begegnungen mit der Grossmutter, die sich rührend um die Kinder gekümmert habe, seien dokumentiert. Die Kinder würden einen guten Bildungsstand aufweisen, seien in ihren Schulen integriert, würden Musikinstrumente lernen und seien unter anderem auch bei der Feuerwehr aktiv. Auch an der Adoption sei nichts zu kritisieren, betonte Lenze.

Den Fünfjährigen, der im Keller aufgewachsen war, erlebte Lenze am Montag bei einem Besuch in der Landesnervenklinik nach eigenen Worten «heiter». Er habe sich über die erste Autofahrt seines Lebens gefreut.

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(Video: AP) (dapd)

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