Aktualisiert 29.04.2008 07:30

Inzest-Drama: U-Haft für Josef F.

Im Fall der jahrelang eingesperrten und missbrauchten 42-jährigen Elisabeth F. in Österreich wird der verdächtige Vater heute noch dem Haftrichter vorgeführt. Die Ermittlungen am Tatort werden unterdessen fortgesetzt.

Der 73-jährige Josef F. war am Montag von einer Polizeiwache in Amstetten in die Justizanstalt St. Pölten überstellt worden. Heute Dienstag solle gegen den Tatverdächtigen die Untersuchungshaft verhängt werden, in 14 Tagen sei eine Haftprüfung vorgeschrieben, meldete APA.

Die Opfer haben APA zufolge zivil- und sozialrechtliche Ansprüche. Einerseits könnten sie gegen den Täter Schadenersatzforderungen geltend machen. Da von dem 73-Jährigen vermutlich nicht viel zu holen sein werde, komme für die Betroffenen vor allem die sozialversicherungsrechtliche Schiene zum Tragen, hiess es in dem Bericht weiter.

Nach dem österreichischen Verbrechensopfergesetz (VOG) können Opfer von gravierenden strafbaren Handlungen beim Bundessozialamt eine finanzielle Hilfestellung beantragen. Diese gewährt der Staat nach entsprechender Prüfung im Sinne einer «Bevorschussung» - er behält sich vor, die zur Auszahlung gelangenden Beträge später beim Täter im Regressweg zurückzufordern.

Auf diesem Weg bekommen Verbrechensopfer APA zufolge in jedem Fall die Kosten für Rehabilitation und Heilbehandlung - etwa Psychotherapie - ersetzt. Auch Verdienstentgang wird ihnen abgegolten. Ferner steht ihnen bei Bedarf Pflegegeld nach dem Bundespflegegeldgesetz sowie eine «einkommensabhängige Zusatzleistung» zu: Sollte das erlittene Verbrechen eine Berufsunfähigkeit zur Folge haben, kann den Betroffenen eine monatliche Rente gewährt werden.

Der Leistungskatalog aus dem VOG sieht allerdings keinen Anspruch auf Schmerzensgeld vor. Diese Form der Wiedergutmachung können die Opfer strafbarer Handlungen in Österreich weiterhin ausschliesslich über die Zivilgerichte beim Täter einklagen, wie die Agentur weiter berichtet. Selbst wenn die Gerichte ihnen einen Titel zusprechen, warten viele Betroffene oft vergeblich auf ein finanzielles «Trostpflaster», zumal die Täter mitunter viele Jahre im Gefängnis abzusitzen haben.

$$VIDEO$$ (dapd)

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