Region Zürich: iPads und Gutscheine für Ladenhüter-Wohnungen
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Region ZürichiPads und Gutscheine für Ladenhüter-Wohnungen

Gratismonate, Gutscheine, iPads: Nur so können Vermieter zum Teil ihre Wohnungen in der Region Zürich loswerden. Einen Immobilien-Experten wundert das nicht.

von
rom

Helle Wohnräume mit grossen Fenstern, Loggia mit Holzboden, Erstbezug 2013, 4,5 Zimmer auf 108 Quadratmetern für 2490 Franken brutto. Und das alles im neuen Stadtteil Limmatfeld in Dietikon, unmittelbar beim Bahnhof, elf Minuten von Zürich HB entfernt. Klingt gut. Trotzdem stehen diese und mehrere weitere Wohnungen im gleichen Gebäude seit Monaten leer.

Um einen Mieter zu finden, zieht die Vermieterin Livit mittlerweile alle Register: Bei Vertragsabschluss ist die erste Monatsmiete netto gratis, hinzu kommt ein 200-Franken-Gutschein etwa von der Migros. Einzige Bedingung: eine Mindestmietdauer von einem Jahr.

Solche Goodies gibt es in der begehrten Stadt Zürich kaum, in der Agglo sind sie jedoch kein Einzelfall: Auch Wincasa winkt bei einer neuwertigen 4,5-Zimmer-Attika-Wohnung für 2937 Franken im selben Dietiker Stadtteil mit einem Gratismonat. Und im Glattpark Opfikon erhalten Mieter bei Vertragsabschluss für eine 3,5-Zimmer-Wohnung à 2560 Franken ein iPad Air geschenkt.

Kein strukturelles Überangebot

Immobilien-Experte Robert Weinert von der unabhängigen Beratungsfirma Wüest & Partner wundert das nicht: «Je mehr Wohnungen auf dem Markt sind, desto mehr lässt der Nachfrageüberhang nach, also muss man die Aktivitäten für die Vermarktung steigern.» Bei einem genügend grossen Angebot spielten auch die Standortfaktoren wieder eine grössere Rolle: etwa die ÖV-Anbindung oder der Steuerfuss.

Goodies für erfolgreiche Wohnungsvermietungen sind laut Weinert im Ausland gang und gäbe, in der Schweiz in letzter Zeit wegen der grossen Nachfrage einfach selten nötig gewesen: «Die hohe Wohnbautätigkeit macht aber derzeit noch Sinn, da die aktuelle Zusatznachfrage hoch ist.» Zudem bestehe mit Blick auf die Zahlen noch kein strukturelles Überangebot.

Mehr schwer vermietbare Überbauungen

Trotzdem gibt es offenbar erste Investoren, die Projekte auf Eis legen – so wie die Axa Winterthur im Fall einer geplanten Wohnüberbauung in Schlieren. Als Grund nannte die «NZZ am Sonntag» das Überangebot und die rückläufige Nachfrage nach Wohnungen am Rand von Zürich. Die Axa wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Man nehme zu Spekulationen und Gerüchten grundsätzlich keine Stellung.

Weil der Leerwohnungsbestand nur knapp mehr als ein Prozent beträgt, sieht Doris Mundschin, Filialleiterin von Wincasa Baden, die Lage im Wohnungsmarkt vorderhand entspannt, aber: «Die Anzahl schwer vermietbarer Überbauungen ausserhalb von Grosszentren wird zunehmen.» Denn die Mieter ziehe es in die Stadtzentren und deren unmittelbare Einzugsgebiete.

Zu den Goodies sagt Mundschin: Damit wolle man das Augenmerk auf «interessante Angebote» lenken. Abgesehen davon sei in den letzten Jahren viel gebaut worden, daher gebe es auch mehr Wohnungen auf dem Markt.

«Nach wie vor grosse Nachfrage»

Von einer «nach wie vor grossen Nachfrage» an Wohnungen im Raum Zürich spricht Livit-Marketingleiterin Marietta Hersche. Dass neue Stadtteile wie das Dietiker Limmatfeld ein hartes Pflaster sind, verneint sie: «Bis sich ein Gebiet vollends entwickelt, benötigt es aber Zeit.» Mit Marketingmassnahmen wie Gratismonaten mache man überdies gute Erfahrungen.

Bei den seit Monaten leer stehenden Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus im Limmatfeld fruchteten sie allerdings bislang nicht. Wo das Problem liegt, dazu äussert sich Hersche nicht konkret. Sie sagt bloss: «Im Verhältnis zur Grösse der ganzen Überbauung ist der Leerstand von zwei 3,5- und zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen nicht hoch.»

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