Aktualisiert 16.07.2010 20:07

Keynote

iPhone 4 kommt am 30. Juli in die Schweiz

Apple will unzufriedene Besitzer des Smartphones mit einer kostenlosen Hülle fürs Gerät versorgen. Sie können es auch gratis zurückgeben. Ausserdem gab Steve Jobs den Marktstart bekannt.

von
Henning Steier

Zu Beginn seiner heutigen Keynote am Firmensitz in Cupertino gab sich Steve Jobs reumütig: «Wir sind nicht perfekt, Telefone auch nicht.» 22 Tage habe man bis zur Erschöpfung an einer Lösung der Empfangsprobleme gearbeitet, sagte der Apple-Boss und benutzte erstmals das seit längerem im Web kursierende Wort «Antennagate», welches auf den Watergate-Skandal des US-Präsidenten Richard Nixon anspielt. «Geräte von Herstellern wie Samsung und RIM haben ähnliche Probleme, wenn man sie falsch hält», so Jobs. Man habe 100 Millionen US-Dollar in die Hand genommen und 18 Experten darauf angesetzt.

Kaum Kundenbeschwerden

Jobs sagte, 0,55 Prozent aller Besitzer eines neuen iPhones hätten sich bislang bei Apple beschwert. Der US-Provider AT & T habe beim Vorgänger, dem iPhone 3G S anfänglich Rückgaberaten von sechs Prozent verzeichnet. Fürs iPhone 4 liege der Wert bei 1,7 Prozent. Im Schnitt soll das iPhone 4 laut Steve Jobs von 100 Anrufen nicht einmal einen mehr ungefragt abbrechen als das 3G S. Der Apple-Chef will nach eigenen Angaben rund 5 000 E-Mails von zufriedenen Kunden bekommen haben. Wie viele Beschwerdenachrichten er im Postfach hatte, erwähnte er nicht.

Etwa drei Millionen iPhones der neuesten Generation hat Apple bislang verkauft. Neukunden will das Unternehmen nun bis zum 30. September mit einer Gratis-Hülle zufrieden stellen, welche die Empfangsprobleme lösen soll. Bestandskunden sollen den Kaufpreis für ihre bereits gekauften Bumper Cases erstattet bekommen. Wer sein neues Gerät innert 30 Tagen zurückbringt, erhält den vollen Kaufpreis zurück. In seiner Präsentation kündigte Jobs überdies den Marktstart des iPhones für 17 Länder an. Ab dem 30. Juli soll das neue iPhone auch hierzulande verfügbar sein. Ob es im Herbst ein Gerät ohne Empfangsprobleme geben wird, liess Jobs offen. In einer Fragerunde nach der Präsentation sagte er, es gebe ein Problem welches nur einen kleinen Teil der Besitzer eines iPhone 4 betreffe. Das Ganze sei eine Herausforderung für die gesamte Branche. Der Firmen-Chef gab an, bislang keine Hülle verwendet zu haben und zeigte den Zuschauern, wie er das Smartphone hält - ohne die Antenne mit einem Finger abzudecken.

Firmen-Boss als Chef-Verkäufer

Bei der Präsentation des iPhone 4 am 7. Juni hatte Steve Jobs sie noch gewohnt euphorisch gegeben und ausgiebig von der neuen Antenne des Smartphones geschwärmt: «Das gab es noch nie - brillante Entwicklungsarbeit.»

Schon kurz nach dem US-Verkaufstart hatten sich dann aber User in Foren beschwert, dass das iPhone 4 immer wieder den Kontakt zum Handynetz verliere. Apple reagierte und empfahl, eine Hülle zu benutzen oder die Finger von der unteren linken Ecke zu lassen. In der Folge reichte eine US-Kanzlei eine Sammelklage ein. Die Vorwürfe lauteten unter anderem: Generelle Fahrlässigkeit, Fehler bei Konzeption und Bau des Telefons, betrügerisches Geschäftsgebaren sowie Betrug durch Verschleierung.

Attacke auf Bloomberg

Apples Antennenexperte Ruben Caballero hatte bereits im vergangenen Jahr seine Bedenken bezüglich der im Rahmen des iPhone 4 eingelassenen Antenne. Auch ein Netzbetreiber soll Apples Führungsetage auf mögliche Empfangsprobleme hingewiesen haben. Beides wurde gestern bekannt. Jobs forderte den Nachrichtendienst Bloomberg, der Entsprechendes berichtet hatte, auf, Beweise dafür vorzulegen. «Hätte uns jemand auf etwaige Probleme aufmerksam gemacht, hätten wir jemand darauf angesetzt, sie zu lösen.» Caballero habe im persönlichen Gespräch mit ihm den Artikel als «Bullshit» bezeichnet, sagte Jobs auf eine Journalistenfrage nach der Präsentation. Anfang der Woche hatte die gemeinnützige US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Union (CU) in einer Studie davon abgeraten, das iPhone 4 zu kaufen, denn ihre Tests hätten die Antennenprobleme des Smartphones bestätigt. Apple hatte daraufhin Links zu der Studie aus seinem offiziellen Forum entfernt.

«Defektes iPhone 4 soll nicht verkauft werden!»

Heute hat sich auch hierzulande die Stiftung für Konsumentenschutz zu Wort gemeldet. Geschäftsleiterin Sara Stadler verlangt in einer Medienmitteilung: «Swisscom, Orange und Sunrise müssen den Verkaufsstart des iPhone 4 aufschieben, bis garantiert ist, dass keine fehlerhaften Geräte ausgeliefert werden». Sie ist der Meinung, dass es «absolut stossende wäre, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das Experten und US-Konsumentenorganisationen als defekt beurteilen.» Wie Stalder und die Provider auf Apples heutige Ankündigung reagieren werden, war bislang nicht in Erfahrung zu bringen.

In der Nacht auf heute hat Apple das Update auf iOS 4.0.1 für alle Besitzer von iPhone 4, iPhone 3GS und iPhone 3G freigegeben. In erster Linie soll schlechter Empfang besser sichtbar sein. Bislang wurden mitunter zu viele Balken, welche die Signalstärke signalisieren, angezeigt. Der Empfang wird durch das Update allerdings auch nicht besser.

Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung im Talkback: Was halten sie von Apples Ankündigung? Warten Sie doch lieber auf das iPhone 5?

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