Regisseur ohne Geld: iPhone-App rettet Oscar-Film
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Regisseur ohne GeldiPhone-App rettet Oscar-Film

Der Dokumentarfilm von Malik Bendjelloul geht am Sonntag als Favorit ins Oscar-Rennen. Dabei hätte sein Super-8-Projekt fast in einem Debakel geendet.

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dsc

Wenn am Sonntag in Hollywood die Oscars vergeben werden, dürfte ein Mann besonders mitfiebern. Der schwedische Filmemacher Malik Bendjelloul kann sich auf eine goldene Mini-Statue freuen für sein Werk «Searching for Sugar Man». Der Dokumentarfilm wurde bereits an mehreren Festivals ausgezeichnet und gilt als Favorit.

Die Story dreht sich um den erfolglosen US-Musiker Rodriguez, der spurlos verschwand und am anderen Ende der Welt zum Helden wurde (siehe Video). Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, gibt es auch eine gute Story hinter der Story. Denn das Projekt stand kurz vor dem Aus, weil dem 35-jährigen Filmemacher das Geld ausging.

Retro-Kamera-App entdeckt

Er habe mit einer Super-8-Kamera gefilmt, erzählt der Regisseur. Das sei - fast wie in grossen Filmproduktionen - ziemlich teures Material. Als nur noch wenige Szenen fehlten, war das Portemonnaie leer. «Dann realisierte ich, dass es diese App auf meinem iPhone gibt.» Er habe sie ausprobiert und die Filmaufnahmen sahen aus, als wären sie mit einer richtigen Super-8-Kamera aufgenommen worden.

So kam es, dass die Kamera-App «8mm Vintage», die zwei Franken kostet, das Filmprojekt rettete. Die für das iPhone und iPad verfügbare Software verpasst herkömmlichen Videoaufnahmen einen echt wirkenden Retro-Look. Bendjelloul konnte sein Werk fertigstellen, die mit dem iPhone gedrehten Szenen liessen sich praktisch nahtlos einfügen.

Oscar-Kandidat am Flughafen festgehalten

Bei der Einreise in die USA zur Oscar-Verleihung ist der palästinensische Regisseur Emad Burnat nach eigenen Angaben am Flughafen in Los Angeles festgehalten worden. Er sei mit seiner Familie eineinhalb Stunden von Beamten verhört worden, sagte der Regisseur. Die Beamten hätten ihm nicht glauben wollen, dass er für einen Oscar nominiert sei. Sie hätten damit gedroht, ihm die Einreise zu verwehren, berichtete Burnat beim Empfang der nominierten Dokumentarfilmer im Hauptquartier der Oscar-Academy.

In seiner Not schickte er dem US-Dokumentarfilmer und Academy-Mitglied Michael Moore eine SMS. Der Oscar-Preisträger («Bowling for Columbine») schaltete sofort Anwälte ein, Burnat durfte wenig später einreisen. Er ist der erste Palästinenser, der je für einen Oscar nominiert wurde.

(sda)

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