Defibrillatoren-App: iPhone kann Leben retten
Aktualisiert

Defibrillatoren-AppiPhone kann Leben retten

Eine neue iApp zeigt den Standort des nächsten Defibrillatoren auf. Die Rettungskräfte werden automatisch alarmiert.

von
Joel Bedetti
Dank dem I-Phone schnell zum Defi.

Dank dem I-Phone schnell zum Defi.

Tausende Defibrillatoren stehen in der Schweiz, in Turnhallen, Hallenbädern, öffentlichen Gebäuden und Einkaufszentren. Nur: Konkret weiss kaum einer, wo die Lebensretter hängen.

Erich Grossniklaus schafft deshalb Abhilfe. Bereits vor einigen Jahren hat er die Plattform herzsicher.com gestartet, auf der mittlerweile die Standorte von rund 600 Defibrillatoren verzeichnet sind. Schritt für Schritt kommt so dank herzsicher.ch ein Systematik ins Schweizer Defi-Chaos.

Im vergangenen Dezember hat Grossniklaus die zweite Stufe gezündet. Er bietet eine I-Phone-Applikation an, welche die Datenbank im Notfall zugänglich macht. Heute kommt eine zweite, verbesserte Version auf den Markt, mit welcher man den Standort ders AED bebildert sieht und auch selbst neue Defi-Standorte in die Datenbank eintragen kann.

Mit einem Knopfdruck zum AED

Wenn ein Passant zusammenklappt, ruft man auf dem I-Phone den Defi-App an. Sofort zeigt das I-Phone den Standort des nächsten Defis an sowie, falls vorhanden, eine Telefonnummer, unter der man den Defibrillator «bestellen» kann - wenn er beispielsweise in eineme Bürogebäude steht.

Ist dies nicht der Fall, zeigt das I-Phone mit einem Navigationsgerät den Weg zum Defibrillator. Alarmiert der Nutzer die Rettungskräfte, versendet ihnen das Gerät automatisch eine E-Mail mit dem genauen Standort - weil der Nutzer manchmal nicht genau weiss, wo er sich befindet.

600 Defibrillatoren registriert

Auch Defibrillatoren in Ambulanzen, Polizeiautos und weiteren Fahrzeugen, die in der Nähe sind, sind mit dem Porgramm ersichtlich. Um sie anfordern zu können, müssten aber die Rettungskräfte ins system eingebunden sein und das betreffende Fahrzeug anfunken. Die Rettungskräfte klären zurzeit noch ab, ob und wie man dies realisieren könnte.

So weit die Idee von Grossniklaus. Der Realisierung stehen noch einige Hürden im Weg. Zwar hat Grossniklaus nach eigenen Angaben bereits über 600 Defibrillatoren registriert, von, Gemeindeverwaltungen, Berufsfeuerwehren, der Migros und weiteren Unternehmen. Fast täglich kommen neue hinzu.

Datenschutz erschwert Erfassung

Ingesamt seien dies aber nur 10-20 Prozent der AED in der Schweiz, so Grossniklaus. Die Vielfalt an privaten und öffentlichen Organisationen, die über AED verfügen, erschweren aber die Erschliessung der Defi-Standorte.

«Am einfachsten wäre die Informationsbeschaffung über die AED-Vertreiber, denn die wissen, wohin sie ihre Geräte liefern», sagt Grossniklaus. Die Firmen stünden dem aber aus datenschützerischen Gründen skeptisch gegenüber.

Noch ist die App ein Ladenhüter

Neben der muss auch auf Seite der Defi-App-Nutzer eine kritische Masse erreicht werden. «Bisher haben erst rund 20 Leute die App heruntergeladen», sagt Grossniklaus, aber man befinde sich hier ganz am Anfang - auch in Sachen Promotion. «Wir hoffen, dass die Herzstiftung, Rettungsorganisationen und Plattformen wie Medgate bei ihren Mitgliedern dafür werben.» Das Potenzial scheint gross: Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz bereits 700000 I-Phones im Umlauf, täglich werden es mehr.

Die Reaktionen der Experten auf das Projekt von Erich Grossniklaus tönen alle ähnlich: Tolle Idee – aber eine Heidenarbeit, sie umzusetzen. Joseph Osterwalder, Vizepräsident der Schweizer Reanimationsgesellschaft SRC, sagt: «Ein zukunftsweisendes Projekt. Allerdings bedingt das Vorhaben eine sehr enge Zusammenarbeit verschiedener Dienste.» Das sei dermassen aufwändig, dass vielleicht die Rettungsverbände die Federführung in der Sache übernehmen müssten.

Gute Idee, aber Heidenarbeit

Martin Gappisch, Geschäftsführer des Interverbands für Rettungswesen, sagt: «Die Idee ist gut. Die Informationssysteme der Rettungskräfte sind aber bereits heute komplex, dass man nicht ohne weiteres private Netzwerke einbinden kann.»

Caroline Hobi von der Herzstiftung Schweiz sagt: «Es braucht eine nationale Plattform, auf dem man alle Defis sieht.» Das sei in einem Land mit 26 Kantonen eine grössere Koordinationsgeschichte.

Persönliches Anliegen

Erich Grossniklaus, so viel lässt er durchblicken, lässt sich davon nicht abhalten. Für ihn ist die das Projekt auch im übertragenen Sinn eine Herzensangelegenheit. Auslöser von seinem Engagement war nämlich der Herztod des ehemaligen Bobweltmeisters Heinz Stettler im Fitnessraum von Grossniklaus vor vier Jahren. Vor zwei Jahren starb ein Radfahrer nur wenige hundert Meter von seinem Haus entfernt an einem Herzinfarkt.

Den Fitnessraum hat Erich Grossniklaus inzwischen verkauft, er steckt all seine Energie in die Defi-Datenbank. «Ich habe sehr viel Geld dafür ausgegeben», sagt Grossniklaus. Er quersubventioniert die Registrierung der Defibrillatoren, indem er selbst Geräte verkauft und AED-Schuldung sowie Rettungskonzepte anbietet. Heute beschäftigt er fünf Informatiker, die laufend neue Daten ins System einspeisen.

Europa macht mit

Hzersicher.com expandiert auch ins Ausland. «In den nächsten Tagen erweitert ein spanischer Anbieter unser Netz um 350 Defibrillatoren, mit Standorten in Deutschland sind wir in Verhandlung», sagt Erich Grossniklaus.

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