Telecom: iPhone schützt Swisscom vor Finanzkrise
Aktualisiert

TelecomiPhone schützt Swisscom vor Finanzkrise

Die iPhones gehen weg wie warme Semmel, bescheren der Swisscom Rekord-Handyverkäufe und machen das Telecom-Unternehmen immun gegen die aktuelle Finanzkrise.

«Wir spüren keinerlei Auswirkungen auf unser Geschäft», sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Man habe sogar ein deutliches Wachstum bei Geschäftskunden und Grosskonzernen. Akquisitionen stünden derzeit nicht auf der Agenda, so Schloter. Deshalb muss sich die Swisscom auch keine Sorgen machen, Kredite für Übernahmen zu bekommen, was in der jüngsten Zeit wegen der Finanzkrise immer schwieriger geworden ist.

Laut Schloter sei die Refinanzierung bestehender Schulden im nächsten Jahr noch nicht nötig. Erst 2010 müssten 700 Mio. Fr. refinanziert werden. Die grösseren Beträge in der Grössenordnung von 2,5 Mrd. Fr. stünden erst 2011 und 2012 zur Refinanzierung an.

Preisverfall durch Wachstum wettgemacht

Das Schweizer Geschäft sei nach wie vor durch eine starke Preiserosion geprägt, die in den in ersten neun Monaten 347 Mio. Fr. betragen habe. Hätte die Swisscom nicht viele neue Kunden im Mobilfunk, Breitbandinternet und Bluewin TV gewonnen, würden die 347 Mio. Fr. unmittelbar auf Umsatz und Gewinn durchschlagen, sagte Schloter.

Es sei der Swisscom erneut gelungen, durch das Wachstum die Preiserosion mehr als zu kompensieren. In den ersten neun Monaten hat die Swisscom dank Fastweb den Umsatz um 12,4 Prozent auf 9,085 Mrd. Fr. gesteigert. Ohne den italienischen Breitbandanbieter hätte der Umsatz nur um 0,4 Prozent oder um 35 Mio. Fr. zugelegt, wenn man auch noch mittlerweile verkaufte Tochtergesellschaften herausrechnet.

Schub dank iPhone

Im Mobilfunk hat der «Blaue Riese» zwischen Juli und Ende September so viele Handys wie noch nie in einem Quartal verkauft. Insgesamt habe die Swisscom im dritten Quartal 453 000 mobile Endgeräte in der Schweiz abgesetzt, sagte Schloter.

Dies ist dem Mitte Juli gestarteten neuen iPhone zu verdanken, von dem 116 000 Stück über den Ladentisch gingen. Der Run auf das mittlerweile etwas entzauberte Kultgerät von Apple bremste den Verkauf von Handys anderer Hersteller nicht, von denen die Swisscom mit 337 000 Geräten gleich viele absetzte wie im Durchschnitt der Vorquartale.

Die Swisscom habe 44 Prozent mehr neue Handy-Abonnementkunden gewonnen als im Durchschnitt der Vorquartale, sagte Schloter. Und man habe dank des iPhones deutlich mehr Abos verlängert als in Vorquartalen. Da die iPhone-Besitzer mit ihrem Gerät deutlich mehr Daten herunterladen, ist ihre Monatsrechnung im Durchschnitt um zehn Franken höher als vor der Vertragsverlängerung.

Allerdings hatte der iPhone-Hype seinen Preis. Wegen Gerätesubventionen und Provisionen für die Händler stiegen die so genannten Kundengewinnungskosten im dritten Quartal um 45 Mio. Franken, was auf den Gewinn schlug. Diese Investitionen würden sich aber in Zukunft durch einen höheren Umsatz auszahlen, sagte Schloter.

(mbu/ap)

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