Aktualisiert 20.04.2011 21:12

Datenschutz-GauiPhone und iPad überwachen Besitzer

Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Apple-Smartphones erstellen heimlich ein Bewegungsprofil und speichern es in einer geheimen Datei. Betroffen sind ältere und neue Geräte mit 3G-Funktion.

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dsc

Diese Nachricht ist Wasser auf die Mühlen von Paranoikern, sie betrifft iPhone- und iPad-Besitzer rund um den Globus und dürfte Datenschützer ziemlich beunruhigen. Zwei IT-Sicherheitsexperten haben herausgefunden, dass die Apple-Geräte fortlaufend den Standort des Besitzers erfassen und die Daten ungefragt in einer versteckten Datei speichern. Diese unverschlüsselte Datei mit dem Bewegungsprofil wird jeweils auch auf den Computer des Users übertragen, wenn die beiden Geräte synchronisiert werden. Dies berichtet die Online-Ausgabe der britischen Zeitung «The Guardian».

In der per Zufall entdeckten Datei werden die geografischen Koordinaten zum Teil im Minutentakt gespeichert, also die Orte, an denen sich der User gerade aufhält. Hinzugefügt wird jeweils ein Timestamp, also die genau Zeitangabe. Dies kann zu gewaltigen Problemen führen. Etwa dann, wenn Drittpersonen das iPhone oder den Backup-Computer stehlen oder sich Zugriff darauf verschaffen.

Seit Juni 2010

Apple ermögliche jedem, der Zugang zum Gerät habe, detaillierte Informationen über die betroffene Person zu gewinnen. «Ob eifersüchtige Ehefrau oder Privatdetektiv.» Das Auswerten der unverschlüsselten Daten sei mit einem einfachen Programm möglich, warnen die beiden Forscher Pete Warden und Alasdair Allan. Die Sicherheitsfachleute haben ihre alarmierenden Erkenntnisse am Mittwoch an einem Kongress in den USA präsentiert. Hinsichtlich einer weiteren Befürchtung geben sie Entwarnung: Anscheinend wird die geheime Datei nur lokal gespeichert, also nicht auch noch ungefragt an Apple übermittelt.

In einigen untersuchten Fällen erstrecke sich das gespeicherte Bewegungsprofil über ein ganzes Jahr, heisst es. Die Forscher haben herausgefunden, dass das heimliche Speichern der persönlichen Geo-Daten im Juni 2010 losging. Dies sei mit einem zu jenem Zeitpunkt erfolgten Update für Apples mobiles Betriebssystem iOS 4 zu erklären, heisst es.

Android ist nicht betroffen

Gemäss den Erkenntnissen der Forscher handelt es sich um ein reines Apple-Problem. Man habe auch auf Android-Smartphones nach einem vergleichbaren Tracking-Programm gesucht, sei aber nicht fündig geworden. Es gebe keine Belege dafür, dass ein anderer Handy-Hersteller eine vergleichbare Funktion in seine Geräte integriert habe.

Datenschützer reagierten laut «Guardian» entrüstet auf die Enthüllung. Dies sei eine beunruhigende Entdeckung, wird etwa Simon Davies, der Direktor von Privacy International, zitiert. Die Information über den eigenen Standort sei eines der sensibelsten Elemente im Leben jedes Menschen. Die Existenz solcher Geo-Daten sei eine reale Bedrohung für die Privatsphäre. Dass der Nutzer nicht darüber informiert werde und keine Kontrolle habe, zeuge von der Ignoranz der Entwickler.

Auch iPads sind betroffen

Die beiden Forscher haben weiter herausgefunden, dass die geheime Datei auch auf neue Geräte kopiert wird. Falls der Nutzer also sein altes iPhone durch ein neues ersetzt, wird das Bewegungsprofil mithilfe der Daten-Synchronisierung automatisch «gezügelt».

Laut den Sicherheitsexperten steht zweifelsfrei fest: Das iPhone und das iPad mit 3G-Funktion speichern die Daten ohne Zustimmung des Users. Wie der «Guardian» weiter berichtet, hat Apple bislang keine Stellungnahme abgeben. So bleibt (vorläufig) auch die Frage unbeantwortet, warum ein solches Bewegungsprofil gespeichert wird - und ob man die Funktion deaktivieren kann. Auch auf eine Anfrage von 20 Minuten Online wurde bislang nicht reagiert.

Über den Zweck der verheimlichten Funktion kann nur spekuliert werden: Zum einen wird vermutet, dass Apple die Geo-Daten für zukünftige Features braucht - nur welche? Zum andern könnte es aber schlicht ein dummes «Versehen» sein. Die Tatsache, dass die geheime Datei auf neue iPhones und iPads transferiert wird, beweist allerdings, dass es sich nicht um ein zufälliges Daten-Sammeln handelt.

Tool downloaden

Auf einer Website stellen die Sicherheitsexperten ein kostenloses Tool zur Verfügung. Der iPhone-Tracker macht das heimlich gespeicherte Bewegungsprofil sichtbar. Apple-User können das Open-Source-Programm herunterladen. Auf der Website findet sich auch eine Anleitung, wie die versteckte Datei ohne das «iPhone Tracker»-Tool gefunden werden kann.

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