Der Test: iPhone X – grosser Wurf oder kleines Häufchen?
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Der TestiPhone X – grosser Wurf oder kleines Häufchen?

Das iPhone X ist Apples Vision für die Zukunft: Sie zeigt sich unter anderem in einem animierten Kothäufchen. Ist das Gerät seinen Preis wert?

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tob

Das iPhone X ist das iPhone, worauf Fans gewartet haben. Was es kann sehen Sie im Video. (Video: Stefan Wehrle)

Das iPhone X (sprich: zehn) ist die Grundlage für die iPhones der nächsten Dekade, sagt Apple. Es ist zudem das erste Apple-Handy mit einem OLED-Display. Doch was bekommt man sonst noch für den doch sehr happigen Preis von mindestens 1199 Franken?

Display

Der Bildschirm ist hervorragend. Apple hat ihn selbst entwickelt, hergestellt wird er von Samsung. Der Kontrast ist hoch und der Screen dennoch hell. Der 5,8 Zoll grosse Screen wirkt nicht übertrieben gross, da er fast randlos ist. Es gibt jedoch derzeit ein ähnliches Dilemma wie einst beim iPhone 6 Plus: Die Apps sind noch nicht auf das neue Bildschirmformat angepasst und nutzen die verfügbare Oberfläche noch nicht aus. Das dürfte sich in den nächsten Wochen ändern, wenn grosse Entwickler wie Google oder Uber nachziehen.

Face ID

Die Gesichtserkennung ist mit Abstand die beste auf dem Markt. Es ist fast schon erschreckend, wie zuverlässig sie funktioniert. Getestet wurde FaceID im Dunkeln, bei Sonnen- und Kunstlicht. Mit und ohne Kontaktlinsen und Brille und mit nur einem offenen Auge. Lediglich bei der Sonnenbrille hat FaceID versagt. Die Daten für FaceID verlassen das Gerät übrigens nicht. Sie sind, wie bei TouchID, auf dem Gerät gespeichert – und auch das nur in abstrahierter Form.

Sensorbalken

Nein, eine Schönheit ist der Sensorbalken, der in den Bildschirm ragt, nicht. Allerdings störte er beim Test weit weniger als befürchtet. Nach ein paar Stunden nimmt man den Balken nur noch wahr, wenn man ein Fullscreen-Video anschauen möchte. Darin versteckt ist die ganze Technologie für die Erkennung der Gesichter: Kameras, Tiefen- und Infrarot-Sensoren. Dank ihr kann Apples Porträtmodus neu auch für die Selfiecam genutzt werden.

Animojis

«Wo finde ich jetzt dieses animierte Kothäufchen?» – diese Frage hat praktisch jeder zuerst gestellt, der das iPhone X bisher in der Hand hatte. Die neuen Animojis sind in der Tat unterhaltsam, denn sie können mit dem eigenen Gesicht gesteuert werden. So lassen sich zehn Sekunden lange Clips als Hund, Affe, Roboter – oder eben als Kothäufchen verschicken.

Gesten

Da das iPhone X keinen Homebutton mehr hat, gibt es eine ganze Reihe neuer Gesten. Diese wirken natürlich und die Bedienung ist innert kürzester Zeit verinnerlicht.

Design

Beide Modelle, sowohl das silbrige wie auch das in Spacegrau, sind hübsch. Die Kamerabeule auf der Rückseite ist aber ein Bruch im Design. Bei unserem Testgerät gab es ausserdem bei der Kamera und auf der Unterseite des Smartphones scharfe Kanten. Nicht so, dass man sich daran hätte schneiden könnte, aber doch auffallend für ein Smartphone, das über 1000 Franken kostet.

Akku

Knapp 24 Stunden lang haben wir das iPhone X getestet. Darum kann zur Akkulaufzeit nur ein subjektiver Eindruck abgegeben werden. Dafür, dass das Testgerät viele Leute in die Hände genommen haben und der Bildschirm auf 100 Prozent Helligkeit eingestellt war, hielt das Gerät lange durch. Weitere Erkenntnisse zur Akkuleistung werden an dieser Stelle in Kürze ergänzt.

Kamera

Zu der Kamera gibt es nicht viel zu sagen, denn sie ist praktisch identisch mit derjenigen des iPhone 8 Plus, sprich: Sie spielt in den Top 3 der aktuellen Smartphone-Kameras mit. Allerdings ist beim X auch die Telelinse optisch stabilisiert, was beim Fotografieren, vor allem aber beim Filmen starke Verbesserungen bringt. Schade: Die Kamera-App sieht auf dem X genauso aus wie zuvor. Hier hätte man den zusätzlichen Platz auf dem Display besser ausfüllen können.

Fazit

Das grösste iPhone ist nicht mehr das beste iPhone. Das X sticht das iPhone 8 Plus in vielen Punkten aus. Es ist hübscher, punktet aber vor allem mit dem grösseren Display in einem kompakterem Gehäuse. Ist es den Preis von über 1100 Franken wert? Fans, die Jahre auf ein wirklich neues Design gewartet haben, werden die Frage wohl mit Ja beantworten. Da Apple das X als eine Art Blaupause für die nächsten zehn Jahre bezeichnet, ist zu erwarten, dass Technologien wie FaceID künftig auch auf günstigeren Geräten Einzug halten werden.

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