iCloud zeigt Diebe: iPod gestohlen - Fotos aus Rumänien auf PC

Aktualisiert

iCloud zeigt DiebeiPod gestohlen - Fotos aus Rumänien auf PC

Einem Walliser wurde in Spanien sein iPod gestohlen. Danach konnte er über die Fotos in der iCloud hautnah den Familienalltag der Rumänen mitverfolgen, denen das Gerät jetzt «gehört».

von
tab/lüs

Es passierte während der Ferien in Spanien: Als die Walliser Familie von N. P. (33, Name der Redaktion bekannt) abwesend war, drangen Unbekannte über den Balkon durch ein Fenster ins Ferienhaus ein. Sie entkamen mit mehreren hundert Euro Bargeld und sämtlichen elektronischen Geräten, die die Schweizer Touristen in ihrem Urlaubsdomizil aufbewahrten. Weg war der Laptop, die Kamera und der iPod – ein Modell, mit dem sich auch fotografieren lässt.

Als die Versicherung den Schaden bezahlt und die Familie neue elektronische Geräte hatte, blickte N. P. in die iCloud, in die die vom iPod erstellten Fotos automatisch gingen – und stellte fest: Dort fanden sich mehrere Dutzend Bilder, die nicht die Walliser Familie, sondern die neuen «Besitzer» des Geräts gemacht hatten.

Ortung zeigt: Neue «Besitzer» wohnen in Bukarest

«Das erste Foto wurde nur eine Stunde nach dem Diebstahl geschossen», berichtet N. P. «Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei den Leuten, die auf den Bildern zu sehen sind, entweder um die Diebe selber handelt – oder um Personen, die einen sehr nahen Kontakt zu den Dieben hatten.» Zu sehen ist eine Familie mit drei Kindern, die sich für die Fotos vor verschiedenen Kulissen in Szene setzt. Die Bilder zeigen, dass sie sich anfangs offenbar auch in Spanien aufhielt. Die Ortungsfunktion zeigte dann aber an, dass sie sich mittlerweile in der rumänischen Hauptstadt Bukarest befand.

Mit diesen Infos und den ziemlich genauen Angaben zum Wohnort der Familie in Bukarest ging N. P. zur Walliser Polizei. «Dort versprach man mir, die spanische und die rumänische Polizei einzuschalten.» Seither habe er aber nichts mehr gehört. «Wenn ich die Bilder ansehe, tun mir vor allem die Kinder dieser Familie leid – dass sie in einem Umfeld aufwachsen müssen, in dem man offenbar stiehlt oder gestohlene Geräte ohne Gewissensbisse für sich selber benutzt», sagt N. P.

Solche Daten unbedingt der Polizei übergeben

Auch der Stadtpolizei Zürich sind Fälle bekannt, in denen Bestohlene über die iCloud an Bilder herankamen, die mit ihren Geräten gemacht worden sind. Aufgeklärt habe man einen Fall dank solcher «Beweismittel» zwar noch nie, sagt Stadtpolizei-Sprecher Marco Bisa. «Wir empfehlen aber in jedem Fall, die Polizei zu informieren, wenn man solche Daten in der Hand hat.» Vielleicht würden den Beamten dann auf den Fotos erfolgsversprechende Details auffallen, oder sie würden einen Zusammenhang zu anderen Diebstählen feststellen.

Anders als iCloud-Bilder hat die Ortungsfunktion der Zürcher Stadtpolizei schon zu Erfolgen verholfen: Erst letzte Woche war dank ihr das Smartphone eines Winterthurers wiedergefunden worden. Ein 30-jähriger deutscher Handwerker, der in seinem Haus gearbeitet hatte, hatte es mitgehen lassen – und flog auf, weil es sich noch am gleichen Tag in einer Liegenschaft in der Stadt Zürich orten liess, wo der Mann mittlerweile weiterarbeitete.

Diebstähle sind ein Massendelikt

Bei Diebstählen von mobilen Geräten handelt es sich allerdings um ein Massendelikt. «Bei uns gehen täglich Dutzende Anzeigen zu Handy-Diebstählen ein», sagt etwa Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Entsprechend hält sich die Zeit in Grenzen, die die Polizei in die Aufklärung einzelner Fälle investieren kann. Grundsätzlich sei aber sowohl iCloud als auch die Ortungsfunktion ein Fortschritt für die Untersuchung von Diebstählen, beides bringe aber Tücken mit sich, sagt Patrick Caprez, Sprecher der Schaffhauser Polizei. «Bei den abgebildeten Personen, die auf den Fotos über iCloud eingehen, muss es sich nicht um die Täter handeln.»

Auch wenn das Handy geortet werden könne, sei es gar nicht so einfach, es zu finden, sagt Thalia Schweizer, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn: «Führt die Spur in eine grosse Stadt, eine belebte Strasse oder ein Mehrfamilienhaus, ist es kaum möglich, den Täter zu eruieren.»

Foto-Blog mit Bildern von Handy-Dieb

Was der Walliser N. P. erlebt hat, ist auch einer deutschen Touristin passiert: Ihr wurde am Strand von Ibiza das Handy gestohlen. Seither landen alle Fotos in ihrem automatischen Handy-Upload, die der in Dubai lebende Dieb macht – und die Bestohlene stellt sie bitterböse kommentiert ins Internet.

Haben auch Sie schon Bilder in der iCloud gefunden, die der Dieb Ihres Handys geschossen hatte? Oder konnten Sie Ihr Mobiltelefon dank Ortung zurückholen? Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch

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