Aktualisiert 22.12.2003 16:00

Irak: Auch Russland zum Schuldenerlass bereit

Russland hat nach irakischen Angaben als weiteres Mitglied des Pariser Clubs angekündigt, Irak einen Teil seiner Schulden zu erlassen.

Im Gegenzug werde Irak «offen für alle russischen Firmen» sein, sagte der Vorsitzende des irakischen Regierungsrates, Abdul Asis el Hakim, nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montag in Moskau.

Die irakische Delegation habe ein «grosszügiges Versprechen» abgegeben, sagte Hakim. Nach Angaben des kurdischen Regierungsratsmitglieds Dschamal Talabani erklärte sich Moskau zum Verzicht auf bis zu 65 Prozent der irakischen Schulden bereit. Russland würde auch den Rest annullieren, wenn russische Firmen bei der Vertragsvergabe in der Ölindustrie bevorzugt berücksichtigt würden.

Auch Deutschland und Frankreich hatten vergangene Woche angekündigt, Irak einen Teil seiner Schulden zu erlassen. Russland ist mit 3,450 Milliarden Dollar (rund 4,28 Mrd. Franken) nach Japan der zweitwichtigste Gläubiger Iraks unter den Staaten des Pariser Clubs.

40 Mrd. Dollar Schulden

Insgesamt belaufen sich die irakischen Schulden gegenüber den Gläubigerstaaten des Pariser Clubs auf rund 21 Milliarden Dollar. Einschliesslich der Zinsen, die seit 1990 hinzukamen, würden sie sich auf rund 40 Milliarden Dollar summieren.

Die Gesamtzahl der Auslandsschulden aus der Ära von Saddam Hussein beläuft sich nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds auf 120 Milliarden Dollar.

In Irak ging die Gewalt gegen die US-Armee unterdessen weiter. Bei einer Explosion in Bagdad wurden zwei US-Soldaten und ihr irakischer Übersetzer getötet. Zwei weitere US-Soldaten seien bei der Explosion verletzt worden, berichtete der arabische Fernsehsender El Dschasira.

Der irakische Bildungsminister Siad Abderrassak sagte gegenüber der Tageszeitung «El Taachi», die US-Armee habe drei irakische Wissenschafter festgenommen, die mit der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen befasst gewesen sein sollen. Ihnen werde die Arbeit am irakischen Programm für Massenvernichtungswaffen vorgeworfen.

Abderrassak sagte, sein Ministerium habe beim irakischen Regierungsrat gegen die Festnahme protestiert. Die irakische Übergangsregierung bestehe auf der «Immunität für Lehrpersonal», dessen Festnahme nur der Regierungsrat anordnen könne.

Kwasniewski besucht Truppen

Polens Präsident Aleksander Kwasniewski traf am Montag überraschend zu einem Truppenbesuch in Irak ein. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete, traf der Staatschef am Nachmittag auf dem polnischen Stützpunkt Babylon ein. Polen unterstützt die US-geführten Streitkräfte in Irak seit September mit rund 2500 Soldaten. (sda)

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