Irak: Britischer Helikopter stürzt auf Wohngebiet
Aktualisiert

Irak: Britischer Helikopter stürzt auf Wohngebiet

Die Wut der Bevölkerung der irakischen Stadt Basra entlud sich in anti-britischen Unruhen, bei denen mindestens 5 Iraker starben, darunter 2 Kinder.

Bei stundenlangen Zusammenstössen zwischen britischen Soldaten und Irakern sollen zudem mindestens 19 Iraker verletzt worden sein. Ob Iraker durch den Absturz ums Leben kamen oder verletzt wurden, war unklar.

Beim Absturz getötet wurden die Insassen des Helikopters. Das Verteidigungsministerium in London nannte keine genauen Zahlen. In britischen Medien war von vier Toten die Rede.

Die Absturzursache war unklar. Augenzeugen berichteten, der Helikopter sei von einer Rakete getroffen worden und in ein Haus im Zentrum Basras gestürzt. Auch die irakische Polizei sprach von einer Rakete.

Britische Soldaten, die zur Unglücksstelle eilten, wurden mit Steinen und Benzinbomben angegriffen, wie der der britische Militärsprecher Major Sebastian Muntz dem Sender BBC sagte. Mindestens ein Panzer sei in Flammen aufgegangen.

Die BBC zeigte Bilder von hunderten jubelnden Irakern in der Nähe des brennenden Helikopters, die die Soldaten attackierten. Soldaten schossen als Abschreckung in die Luft.

Irakische Polizisten hätten die Briten bei der Absperrung des Absturzgebietes und der Eindämmung der Krawalle unterstützt. Inzwischen verhängten die Briten eine nächtliche Ausgangssperre. Die Lage habe sich seitdem beruhigt, sagte Muntz der britischen Nachrichtenagentur PA.

Abzugsplan

Er äusserte die Hoffnung, dass es sich bei den Unruhen um einen Einzelfall gehandelt habe und dass die Briten an ihrem geplanten Abzug aus Basra festhalten können.

Der ranghöchste britische Offizier in Bagdad, Generalleutnant Nick Houghton, hatte Anfang März erklärt, Grossbritannien werde in diesem Frühjahr beginnen, seine Soldaten abzuziehen. Bis zum Sommer 2008 werde der Abzug nahezu abgeschlossen sein. Premier Tony Blair dagegen stritt umgehend ab, dass es einen solchen Zeitplan gebe.

Immer mehr Zusammenstösse

Seit Kriegsbeginn im März 2003 starben über 100 britische Soldaten, mehr als zwei Drittel davon nach Ende der Invasion. In Basra, wo mehrheitlich Schiiten leben, haben die Briten gut 8000 Mann stationiert. Dort befindet sich ihr Hauptquartier.

In den vergangenen Monaten kam es häufiger zu Zusammenstössen zwischen Irakern und Briten, deren Auftreten zu Beginn der Besatzung des Landes als vorbildlich gelobt worden war.

Zu den bislang schwersten Unruhen war es im September vergangenen Jahres gekommen, nachdem zwei britische Soldaten bei einer undurchsichtigen Aktion angeblich aus den Händen von Milizen befreit worden waren.

Die Briten in Zivil waren damals zunächst von irakischen Polizisten verhaftet worden, nachdem bei einer Schiesserei an einer Strassensperre ein Polizist getötet worden war. Auf der Suche nach ihren Kameraden hatten britische Soldaten ein Polizeigefängnis gestürmt und dabei eine Mauer einrissen.

Wütende Iraker bewarfen die Soldaten anschliessend mit Brandbomben. Die Briten antworteten mit Schüssen. Es gab Verletzte und Tote. Beide Seiten schoben sich die Schuld am Vorfall zu.

(sda)

Deine Meinung