Aktualisiert 21.03.2006 13:37

Irak: Gefängnis gestürmt - 30 Tote

Beim Sturm Dutzender Aufständischer auf ein Gefängnis nördlich von Bagdad sind am Dienstag mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.

Die mit Gewehren und Granaten bewaffneten Angreifer befreiten nach Angaben der Behörden alle 33 Häftlinge.

Der Angriff auf das Gelände in Mukdadija, auf dem sich neben dem Gefängnis das örtliche Polizeipräsidium und ein Gericht befinden, begann mit Raketenangriffen auf die Gebäude. Dann stürmten die bis zu 100 Aufständischen den Zellentrakt, wie die Polizei berichtete. Mindestens 19 Polizisten, ein Gerichtsbediensteter und zehn der Angreifer seien getötet worden. Etwa 30 Personen seien verletzt worden.

Nach dem Angriff brannten die Bewaffneten die Polizeiwache nieder. Bei ihrer Flucht hätten sie mehrere an der Strasse versteckte Sprengsätze gezündet, erklärte ein Polizeisprecher. Mukdadija liegt rund 90 Kilometer nordöstlich von Bagdad.

Bei neuen Bombenanschlägen in Bagdad und nördlich der Hauptstadt wurden am Dienstag wieder mehrere Sicherheitskräfte getötet und verletzt. Bereits am Montagabend wurden in Beidschi nördlich von Bagdad zwei Ingenieure getötet und zwei weitere Techniker niedergeschossen.

In Beidschi waren vor mehr als zwei Monaten die deutschen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke entführt worden. Die Bundesregierung geht offenkundig davon aus, dass die beiden noch am Leben sind. «In der Tat haben wir keine Hinweise auf irgendeine Katastrophe», sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, am Dienstag dem Nachrichtensender N24. Das ARD-Hauptstadtstudio berichtete am Dienstag unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise, es gebe «indirekte Lebenszeichen» von den beiden Leipzigern.

Unterdessen traf eine Delegation von US-Senatoren in Bagdad mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Ibrahim al Dschaafari zusammen, um über die Bildung einer künftigen Regierung zu sprechen. Al Dschaafari bekräftigte, er gehe davon aus, dass die grössten Hürden überwunden seien und eine neue Regierung innerhalb der kommenden Wochen stehen werde.

Festnahmen bei Protestzug in Washington

Bei einem Protestzug zum dritten Jahrestag der US-Invasion im Irak wurden am Montag vor dem US-Verteidigungsministerium in Washington 51 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Sie wollten Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine Sarg-Attrappe überreichen und kletterten dabei über einen Absperrzaun der Polizei. Der mit Fotos aus dem Krieg versehene Sarg sollte nach Angaben eines Demonstranten die «massiven Verluste» der USA im Irak symbolisieren.

Zahlreiche Künstler organisierten am Montag in New York ein Wohltätigkeitskonzert gegen den Militäreinsatz im Irak, darunter die Schauspielerin Susan Sarandon und der Musiker Michael Stipe. Laut Organisatoren wurden alle 3.000 Tickets verkauft. Das Konzert hatte das Motto «Bring 'Em Home» (»Bringt sie heim»).

(dapd)

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