Irak: Italienerinnen frei – Wahlen «unmöglich»
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Irak: Italienerinnen frei – Wahlen «unmöglich»

Trotz Anschlägen und Zweifel an den geplanten Wahlen in Irak hat es am Dienstag auch Grund zur Freude geben: Die beiden entführten Italienerinnen Simona Pari und Simona Torretta wurden freigelassen.

Sie befinden sich in Obhut des italienischen Roten Kreuzes und sind nach Medienberichten bereits auf dem Flug nach Rom. «Dies ist ein Augenblick der Freude», sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Abend.

Die beiden 29-Jährigen seien an zwei verschiedenen Stellen freigelassen worden, hiess es weiter. Auch zwei Iraker, die zusammen mit ihnen vor drei Wochen verschleppt worden waren, seien wieder auf freiem Fuss.

Der Zeitungsmeldung, für die Freilassung der zwei Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation sei ein Lösegeld von einer Million Dollar bezahlt worden, widersprach Italiens Aussenminister Franco Frattini am Abend. Er erklärte, es sei kein Lösegeld gezahlt worden.

Zittern um weitere Geiseln

Freigelassen wurden am Dienstag auch die letzten drei der sechs entführten Mitarbeiter des Telekommunikations- Unternehmens Orascom. Die Bemühungen um die Freilassung des Briten Kenneth Bigley und der französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot gingen dagegen weiter.

In die Freude über die Freilassungen mischte sich deshalb bei den internationalen Reaktionen auch die Sorge um die verbleibenden Geiseln. So sagte der deutsche Aussenminister Joschka Fischer: «Unsere Sorgen und Gedanken sind bei den noch immer in Irak entführten Geiseln».

Zweifel an geplanten Wahlen

Und die Lage in Irak bleibt weiter schwierig. Freie und faire Wahlen sind laut dem jordanischen König Abdullah II. derzeit unmöglich. Ein Urnengang würde nur die islamistischen Extremisten begünstigen, warnte er im Pariser «Figaro».

«Sollten die Wahlen in dieser Unordnung abgehalten werden, wird die am besten organisierte Fraktion die der Rebellen sein und das Ergebnis wird genau das widerspiegeln», sagte er.

Die EU-Kommission erklärte als Reaktion darauf, sie werde trotz der gespannten Sicherheitslage weiter bei der Vorbereitung von Wahlen im Januar helfen. «Wir werden den Wahlprozess unterstützen», sagte Kommissionssprecherin Emma Udwin. Eine funktionierende Demokratie in Irak sei keine Vorbedingung dafür.

Deutschland will zur Unterstützung des Wiederaufbaus 20 »Fuchs»- Transportpanzer an Irak liefern, wie das deutsche Presseamt in Berlin mitteilte.

Immer härtere Konfrontationen

Die militärischen Auseinandersetzungen in Irak werden immer härter. Das US-Militär bombardierte am Dienstag erneut Ziele in Falludscha. Angaben über zivile Opfer lagen nicht vor.

Bei Attentaten und Auseinandersetzungen in Bagdad, Ramadi, Basra und Nadschaf starben mindestens fünf Menschen, mindestens sechs erlitten Verletzungen.

In der Nähe der nordirakischen Stadt Mossul wurde zudem ein türkischer Lastwagenfahrer von Unbekannten überfallen und getötet. Der 46-Jährige habe Treibstoff für die Amerikaner transportiert, berichteten türkische Medien.

(sda)

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