Irak: Kein baldiges Ende der Gewalt in Sicht
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Irak: Kein baldiges Ende der Gewalt in Sicht

Iraks Vize-Präsident Rodsch Nuri Schawis sieht in seinem Land kein baldiges Ende der Gewalt in Sicht.

Mit seinem Auftritt am Crans Montana Forum kurz vor der Machtübergabe wollte er Europa zur Teilnahme an der multinationalen Truppe mobilisieren.

Nach der Übergabe der Machtbefugnisse von der Besatzungsmacht an die Iraker am Mittwoch sei es oberste Priorität der neuen Behörden, die Polizeikräfte sowie die Armee zu stärken, sagte Schawis am Freitag vor den Medien. Des weitern werde mit der unter UNO-Mandat stehenden multinationalen Truppe zusammengearbeiten.

Ziel sei ein partnerschaftliches Verhältnis mit dieser Einheit, führte Schawis, einer von zwei irakischen Vize-Präsidenten, aus. Jegliche internationale Hilfe sei willkommen. Schawis schloss auch einen Beitrag der NATO nicht aus. Die Allianz war von Irak um Unterstützung in Ausbildung und technischer Hilfe angegangen worden.

Suche nach Unterstützung

Im Crans Montana Forum bemüht sich die rund 30-köpfige irakische Delegation um weiteren internationalen Beistand gegen die «terroristischen Angriffe», betonte der kurdische Vize-Präsident.

Es herrsche der Eindruck vor, dass lediglich die USA und Grossbritannien bereit seien, sich an der multinationalen Truppe zu beteiligen. Es sei aber die Pflicht der anderen Staaten, sich ebenfalls zu engagieren.

«Wir brauchen die Hilfe aller Nationen», fügte er an. Das Forum in der neutralen Schweiz mitten in Europa halte er für einen geeigneten Ort, um weitere Unterstützung zu mobilisieren.

Saddam ein normaler Krimineller

Die Machtübergabe vom 30. Juni leitet eine mehrmonatige Übergangsphase ein. Die neue Regierung soll für Januar allgemeine Wahlen und die Einsetzung eines Parlaments organisieren. Des weitern soll sich die Übergangsregierung um das Rechtssystem das Staatsbudget sowie die Verabschiedung einer Verfassung bis Juni 2005 kümmern.

Die US-geführten Besatzungstruppen werden den neuen Behörden auch die inhaftierten Iraker überantworten. Die Kriegsgefangenen werden weiterhin den Genfer Konventionen unterstehen, betonte Schawis. Den von den USA ebenfalls als Kriegsgefangener eingestufte Saddam Hussein würde der neue Vize-Präsident allerdings lieber als normalen Kriminellen behandeln. (sda)

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