Aktualisiert 19.10.2004 13:44

Irak-Krieg fördert den weltweiten Terrorismus

Entgegen den Hoffnungen der US-Administration wird die Welt wegen dem Irak-Krieg immer unsicherer. Dies sagt eine Studie des unabhängigen «International Institute for Strategic Studies» (IISS).

Der US-geführte Krieg in Irak hat laut einer Studie des unabhängigen International Institute for Strategic Studies (IISS) in London die Gefahr terroristischer Anschläge gegen westliche Länder erhöht.

In seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht «Das militärische Gleichgewicht 2004-2005» kommt das IISS zum Schluss: «Insgesamt scheint das Risiko terroristischer Anschläge gegen westliche Bürger und westliches Eigentum in arabischen Ländern nach Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 zugenommen zu haben.»

Das IISS kritisiert die USA und ihre Verbündeten für ein schlecht durchdachtes Vorgehen in Irak nach Ende des Krieges. Die Beteiligten hätten angesichts der weiterhin unsicheren Lage im Land die «Lektionen zu lernen», dass Nach-Kriegs-Operationen und friedenserhaltende Massnahmen in allen Phasen sehr personalintensiv seien.

Kritik an anhaltender «Kampfhandlung»

Ausserdem hätte nach dem Ende der Kriegsphase schnell die «Kampfhaltung» abgelegt werden müssen, zu Gunsten der Unterstützung der Zivilbevölkerung, hiess es im Jahresbericht weiter.

Das IISS erinnert ausserdem daran, dass der Einsatz von unzureichend ausgebildeten Reservisten oder solchen mit den falschen Qualifikationen keine gut geschulten Soldaten ersetzen könnten. Dies hätten die USA schmerzvoll beim Skandal um die Folterungen von Irakern in US-Gefängbnissen in Irak lernen müssen.

Auch sei die Einstellung von Personal privater Sicherheitsunternehmen nicht die Lösung des Problems zu weniger Einsatzkräfte.

Amerikanische Eigeninteressen

Mit der militärischen Invasion und Besetzung Iraks hätten die USA die politische Lage in der arabischen Welt verändern wollen, um eigene Interessen voranzutreiben, heisst es. «Demnach war es immer wahrscheinlich, dass die Invasion kurzfristig die Rekrutierung für den Dschihad verstärkt und die Motivation El Kaidas intensiviert, terroristische Unternehmungen zu ermutigen und zu unterstützen.»

Zwar sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Hälfte der 30 führenden Köpfe von El Kaida entweder gefangen genommen oder getötet worden, aber rund 20 000 in afghanischen Lagern ausgebildete Anhänger der Organisation seien weiterhin auf freiem Fuss.

Der Krieg in Afghanistan habe einerseits die Handlungsfähigkeit El Kaidas beschränkt, andererseits aber deren Anführer in die Berge im Grenzgebiet zu Pakistan gedrängt und damit eine Zerschlagung der Organisation schwieriger gemacht.

Der Bericht hebt hervor, dass westliche Länder weitgehend Anschläge von El Kaida verhindern konnten. Nach dem 11. September seien die Anschläge auf Vorortzüge und Bahnhöfe in Madrid in diesem Jahr der einzige grosse Angriff auf Westeuropa und Nordamerika gewesen.

Mehr Anschläge in Entwicklungsländern

Dagegen hätten die Anschläge auf Entwicklungsländer wie Kenia, Indonesien, Pakistan und Saudi-Arabien zugenommen. Zwar würden viele dieser Anschläge von örtlichen Gruppen geführt, diese hätten aber oftmals eindeutige Verbindungen zu El-Kaida-Mitgliedern.

Das IISS stellt fest, in den vergangenen drei Jahren seien Fortschritte erreicht worden, die Finanzierung von El Kaida einzudämmen. Allerdings habe dies nicht deren Schlagkraft geschwächt.

(sda)

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