Aktualisiert 19.10.2004 21:02

Irak: Leiterin der Hilfsorganisation CARE entführt

In Bagdad ist eineinhalb Wochen nach der Ermordung ihres Landsmanns Kenneth Bigley die britische Leiterin der Hilfsorganisation CARE International verschleppt worden.

Margaret Hassan wurde am Dienstag auf dem Weg zur Arbeit entführt.

Der arabische Fernsehsender El Dschasira strahlte ein Video aus, in dem Hassan sehen ist. Sie sagt darin, sie sei von einer bewaffneten Gruppe entführt worden, die sich nicht zu erkennen gegeben und bisher keine Forderungen gestellt habe.

Hassan lebt laut Angaben von CARE in London seit 30 Jahren in Irak. Sie sei mit einem Iraker verheiratet und habe dadurch auch die irakische Staatsbürgerschaft. Geboren wurde die Dreifachbürgerin Hassan in Irland.

«Wir möchten betonen, dass sie sich selbst als Irakerin sieht», sagte eine CARE-Sprecherin: «Irak ist ihre Heimat.» CARE ist eine regierungsunabhängige Organisation, die seit 1991 auch in Irak aktiv ist. Seit dem Krieg konzentriert sich CARE auf Soforthilfen wie medizinische Versorgung.

Die britische Regierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um die Freilassung von Hassan zu erreichen, erklärte der britische Premierminister Tony Blair. In Irak wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Ausländer entführt.

El Sarkawi-Botschaft vermutlich echt

Mindestens 35 von ihnen wurden von ihren Entführern getötet. Als erste britische Geisel war der Ingenieur Kenneth Bigley durch Enthauptung getötet worden. Zu der Tat hatte sich die sich die Gruppe des jordanischen Extremisten Abu Mussad el Sarkawi bekannt.

Eine am Wochenende veröffentlichte Internet-Botschaft, in der El Sarkawi El-Kaida-Anführer Osama bin Laden seine Gefolgschaft zusagt, ist wahrscheinlich echt. Die «Washington Post» berichtete, US-Geheimdienste hielten die Botschaft von El Sarkawi für authentisch.

Der Terroristenführer soll sich in der Umgebung der Rebellen- Hochburg Falludscha versteckt halten. Die US-Armee bombardierte in der Nacht zum Dienstag erneut mutmassliche Verstecke El Sarkawis in der westirakischen Stadt.

Anschläge in Bagdad und im Norden

Bei neuen Anschlägen im Raum Bagdad starben unterdessen am Dienstag mindestens neun Menschen, mehr als 80 weitere wurden verletzt. Allein bei einem Mörserangriff auf einen Stützpunkt der irakischen Nationalgarde nördlich von Bagdad starben mindestens vier Iraker.

Der Gouverneur der nordirakischen Provinz Ninive, Dureid Kaschmula, entkam einem Attentatsversuch unverletzt. Mehrere Menschen starben dabei. In Nordirak unterbrach ein Anschlag auf eine Pipeline den Öl-Export über den türkischen Hafen Ceyhan.

Britische Unterstützung wahrscheinlich

Die britische Regierung machte derweil klar, dass sie dem Wunsch der USA nach einer Truppenverlegung in Irak zustimmen will. Straw sagte, die Regierung neige «offensichtlich dazu, Ja zu sagen».

Eine Ablehnung komme nur in Betracht, wenn das britische Militär abraten sollte, sagte er der BBC.

(sda)

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