Aktualisiert 20.10.2006 21:53

Irak: Ratlose US-Armee

Die US-Armee hat ein Scheitern ihrer Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt im Irak eingeräumt. Sie sei auf der Suche nach einem neuen Sicherheitskonzept für die Hauptstadt Bagdad, sagte US-Armeesprecher William Caldwell.

Der Anstieg der Gewalt sei «entmutigend», sagte Caldwell. Allein in Bagdad seien in den ersten drei Wochen des Ramadan rund 20 Prozent mehr Gewalttaten verübt worden als im Vorjahr. Betroffen davon sind nicht nur Iraker, sondern auch die US-Armee. Allein im Oktober zählte die US-Armee 73 Tote in den eigenen Reihen.

Es gebe intensive Diskussionen darüber, wie der amerikanisch- irakische Sicherheitsplan für Bagdad überarbeitet werden könne, sagte Caldwell. Der Sicherheitsplan war im Juni vom irakischen Ministerpräsident Nuri el Maliki in Kraft gesetzt worden, um die Gewalt in der Hauptstadt einzudämmen.

In einer zweiten Stufe war zwei Monate später die Anzahl der US- Truppen in der Stadt verdoppelt worden. Caldwell räumte ein, dass die Gewalt nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in anderen Gebieten zugenommen habe, wo die US-Armee im Einsatz sei.

Die Aussagen Caldwells folgen den Ausführungen von US-Präsident George W. Bush. Dieser hatte am Mittwoch erstmals eine Parallele zwischen dem Vietnam- und dem Irak-Krieg gezogen.

Bush will Kurs nicht ändern

Bush erwägt nach Angaben seines Sprechers trotz innenpolitischen Drucks vor den Kongresswahlen jedoch keine grundsätzliche Änderung seiner Irak-Strategie. Der Präsident wisse, dass durch Meinungsumfragen kein Krieg gewonnen werde, sagte sein Sprecher Tony Snow am Freitag.

«Was den Krieg gewinnen wird, sind die Entschlossenheit und der Einfallsreichtum der Amerikaner sowie ein vernünftiger Strategiemix.» Angesichts der steigenden Zahl im Irak getöteter US- Soldaten wächst der Druck im US-Kongress und in der Republikanischen Partei Bushs, einen Kurswechsel im Irak-Krieg einzuschlagen.

Viele republikanische Senatoren warten gespannt auf den so genannten Baker-Bericht. Der langjährige Vertraute der Familie Bush und frühere Aussenminister James Baker soll Vorschläge für die künftige Strategie im Irak vorlegen.

Die Veröffentlichung des Berichts ist nach den Kongresswahlen am 7. November vorgesehen. Bei der Wahl droht Bushs Partei der Verlust ihrer Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. (sda)

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