Irak: Überfälle trotz Ausgangssperre
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Irak: Überfälle trotz Ausgangssperre

Ungeachtet einer fast ganztägigen Ausgangssperre ist es in der irakischen Hauptstadt Bagdad auch am Freitagabend zu Gewalt zwischen den moslemischen Religionsgruppen gekommen. Die ausgangssperre wurde bis heute 16 Uhr verlängert.

Im Stadtteil Saidija seien zwei sunnitische Moscheen mit automatischen Waffen und Raketen angegriffen worden, teilte die Polizei mit. Die Sicherheitskräfte hätten die Angreifer zurückgeschlagen.

Auch das wichtigste Gotteshaus der sunnitischen Minderheit in der Hauptstadt sei attackiert worden. Irakische Soldaten hätten die Umgebung der Abu-Hanifa-Moschee im Bezirk Aadhamija abgeriegelt.

Der irakische Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari hatte zuvor die Ausgangssperren in Bagdad und drei Provinzen des Landes um einen Tag verlängert. Sie sollen nun zunächst bis Samstag 16 Uhr (Ortszeit) gelten.

Auslöser der Unruhen war ein Bombenanschlag auf eine der bedeutendsten Stätten der Schiiten, die Goldene Moschee in Samarra, am Mittwoch. Der Anschlag hatte eine beispiellose Welle der Gewalt und Gegengewalt ausgelöst.

Bis Donnerstag waren landesweit die Leichen von mehr als 100 erschossenen Zivilisten gefunden worden, die offenbar Vergeltungsaktionen zum Opfer gefallen waren. Bereits am Freitag mussten die Menschen in Bagdad deshalb bis auf vier Stunden am Nachmittag zu Hause bleiben.

Insgesamt zeigte die verlängerte Ausgangssperre in der Hauptstadt und Umgebung ihre Wirkung. Die Unruhen waren weniger heftig als in den beiden vorangegangenen Tagen, es kam nur vereinzelt zu Zusammenstössen.

US-Aussenministerin Condoleezza Rice sagte Rice nach Angaben des State Departments während ihres Rückfluges aus dem Nahen Osten, sie rechne mit mehr Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung. Diese Form der Gewalt sei offensichtlich ein Rückschlag.

Man müsse den Irakern jetzt ein wenig Zeit geben. Alles deute darauf hin, dass sie eine Regierung der nationalen Einheit als einzig reale Rettung für ihr Land betrachteten. (sda)

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