Aktualisiert 07.06.2006 04:26

Irak: US-Soldaten vertuschen Tötung von Zivilist

US-Soldaten sollen in Hamdanija unweit von Mossul am 26. April einen Mann gezielt getötet und ihn dann so hergerichtet haben, als habe es sich um einen Aufständischen gehandelt.

Nach den mutmasslichen Massakern in Haditha und Ischaki wäre dies ein weiterer Fall, der Beobachtern zufolge zu einem enormen Ansehensverlust der Besatzungstruppen im Irak beitragen dürfte.

Ein ranghoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums erläuterte am Dienstag in Washington die Theorie der Ermittler zum Vorfall in Hamdanija. Demnach drang eine kleine Gruppe von Marineinfanteristen auf der Suche nach einem mutmasslichen Aufständischen in die nordirakische Stadt ein. Weil sie den Verdächtigen nicht gefunden hätten, hätten die Soldaten schliesslich einen unbewaffneten Zivilisten aus seinem Haus gezerrt und erschossen. Dann hätten sie ein Sturmgewehr vom Typ AK-47 sowie eine Schaufel neben die Leiche gelegt.

Dem Gewährsmann zufolge wollten sie damit den Eindruck erwecken, der Mann habe am Strassenrand gerade ein Loch zur Deponierung eines Sprengsatzes gegraben und sei dann bei einem Schusswechsel mit den Soldaten getötet worden. Die Ermittlungen sollen sich auf sieben Marineinfanteristen und einen Sanitäter der Marine erstrecken.

Der Senat erklärte unterdessen, er wolle schon bald mit Anhörungen zum mutmasslichen Massaker in Haditha westlich von Bagdad beginnen. Sowohl Demokraten als auch Republikaner im Streitkräfte-Ausschuss riefen die Militärbehörden auf, ihre eigenen Ermittlungen schnellstmöglich abzuschliessen. In Haditha sollen US-Soldaten am 19. November ein Massaker an bis zu 24 irakischen Zivilpersonen verübt haben. In Ischaki nördlich von Bagdad geht es um die mutmassliche Ermordung von bis zu elf Zivilpersonen. (dapd)

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