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Irak: USA wollen Truppen verstärken

Angesichts der ausser Kontrolle geratenen Sicherheitslage in Irak hat US-Generalstabschef Richard Myers eine Aufstockung der US-Truppen in Aussicht gestellt.

Derzeit überprüfe der Oberkommandierende in Irak, John Abizaid, ob zusätzliche Soldaten benötigt würden, sagte Myers vor einem Kongressausschuss in Washington. Die Entscheidung werde zu einem grossen Teil davon abhängen, wie sich die Lage in der irakischen Widerstandshochburg Falludscha entwickle.

Wie ein ranghoher US-Militär in Bagdad mitteilte, wurden bei den erneut aufgeflammten Kämpfen in Falludscha am Mittwoch 36 Aufständische getötet. Die Kämpfe seien «sehr intensiv», aber «örtlich sehr begrenzt» gewesen.

4,7 Milliarden monatlich

Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, die USA müssten «sehr tief graben», falls die Entsendung zusätzlicher Truppen erforderlich sein sollte. Der Militäreinsatz in Irak verschlingt seinen Angaben zufolge monatlich 4,7 Milliarden Dollar.

Der Rückzug Spaniens aus den Koalitionsreihen sei Anlass zu «echter Sorge», sagte Wolfowitz. US-Regierungsbeamte kritisierten den spanischen Abzug mit scharfen Worten. Der Abzug erfolge überhastet und könne Leben aufs Spiel setzen, zitierte die «Washington Post» am Donnerstag Regierungsbeamte.

Moratinos beschwichtigt

Spaniens neuer Aussenminister Miguel Angel Moratinos versicherte bei seinem ersten Treffen mit seinem US-Amtskollegen Colin Powell in Washington, Spanien und die Vereinigten Staaten würden auch nach dem angekündigten Abzug der spanischen Soldaten «sehr, sehr enge Verbündete» sein.

Polen plant nach den Worten seines Verteidigungsministers Jerzy Szmajdzinski indes keine «substanzielle Verkleinerung» seines Truppenkontingents vor den für Ende Januar geplanten Wahlen.

Allerdings hänge dies von der politischen Lage nach der Machtübergabe am 30. Juni ab, sagte Szmajdzinski in Warschau. Am Mittwoch hatte der scheidende Regierungschef Leszek Miller Zweifel am Engagement Polens in Irak aufkommen lassen.

Polen hat 2500 Soldaten in Irak stationiert und kommandiert eine 9000 Mann starke multilaterale Truppe. Nach Spanien hatten auch Honduras und die Dominikanische Republik ihren Rückzug angekündigt.

Anti-britische Proteste

Einen Tag nach der Anschlagserie mit 68 Toten in der südirakischen Stadt Basra protestierten am Donnerstag rund 800 Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada el Sadr gegen die britischen Streitkräfte.

Die Demonstranten in Basra machten die britischen Truppen für die Anschläge verantwortlich, bei denen am Vortag mindestens 68 Menschen getötet und fast 100 weitere verletzt worden waren.

Nach Angaben eines Militärs der US-geführten Koalitionstruppen in Bagdad trugen die Autobombenanschläge die Handschrift des Terrornetzwerks El Kaida. Auch der Provinzgouverneur der Stadt hatte El Kaida verantwortlich gemacht.

Schweizer Paar wieder aufgetaucht

Ein Schweizer Ehepaar, das am Dienstag in Irak «verschwunden» war, ist am Donnerstag freigelassen worden. Die beiden Schweizer , die für eine Nichtregierungsorganisation in Irak tätig sind, hatten sich laut Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in den Händen einer unbekannten Gruppe befunden.

(sda)

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