Milliardengeschäft: Irak versteigert Ölförder-Lizenzen
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MilliardengeschäftIrak versteigert Ölförder-Lizenzen

Im Irak werden in der kommenden Woche erstmals seit dem Sturz von Saddam Hussein Öl- und Gas- Förderlizenzen an ausländische Unternehmen versteigert. Die Regierung will am Dienstag sechs ihrer grössten Ölfelder und zwei Gasfelder internationalen Konzernen freigeben.

Ursprünglich sollte die Versteigerung schon am Montag starten. Wegen eines Sandsturms konnten viele Manager der zugelassenen 32 Energieriesen jedoch nicht in der Hauptstadt landen.

Dazu zählen unter anderem BP, Chevron, Exxon, Gazprom und Sinopec. Einige von ihnen wollen gemeinsam für die Lizenz-Verträge mit einer Laufzeit von 20 Jahren bieten. Entscheidungen könnten bereits am Dienstag fallen.

Nach Jahren des Krieges und der Sanktionen braucht der Irak dringend Investitionen in Milliardenhöhe, um seinen Energiesektor zu modernisieren. Mit 2,3 bis 2,4 Millionen Fass pro Tag fördert das Land derzeit weniger als vor der US-geführten Invasion im Jahr 2003.

Die Regierung in Bagdad verfolgt daher das ehrgeizige Ziel, die Produktion in den kommenden fünf Jahren auf mehr als sechs Millionen Fass pro Tag hochzuschrauben.

Riesige Ölreserven

Die nun zur Versteigerung stehenden Ölfelder steigern die Förderquote um 1,5 Millionen Fass täglich. Bei einer zweiten Auktion in diesem Jahr für elf nicht erschlossene Felder könnten noch einmal 2,5 Millionen Fass pro Tag hinzukommen.

Mit 115 Milliarden Fass hält der Irak die weltweit drittgrössten Ölreserven. Diese Schätzung ist allerdings 30 Jahre alt. Experten vermuten bis zu 100 Milliarden weitere Fass im Boden. Damit würde der Irak zur weltgrössten Öl-Nation Saudi-Arabien aufschliessen.

Nach Daten des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie schlummern allein in den zur Auktion stehenden Ölfeldern Reserven, die grösser sind als die der USA und Grossbritanniens zusammen.

Gewalt verhinderte Freigabe

Nach dem Einmarsch ausländischer Truppen in den Irak war damit gerechnet worden, dass die gewaltigen Reserven schnell für ausländische Konzerne freigegeben werden würden. Die schweren Auseinandersetzungen rivalisierender Volksgruppen und die Zunahme der Gewalt verhinderten dies allerdings.

Trotz der Entspannung der Lage in den vergangenen Jahren sorgen sich viele Unternehmen noch immer um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter - gerade angesichts der Anschlagswelle der abgelaufenen Woche mit knapp 200 Toten.

(sda)

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