Irak vor Bürgerkrieg: 90 Moscheen angegriffen
Aktualisiert

Irak vor Bürgerkrieg: 90 Moscheen angegriffen

Als Vergeltung für einen Bombenanschlag auf eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer haben Schiiten mindestens 90 sunnitische Moscheen angegriffen.

Im jüngsten Zwischenfall heute morgen haben Bewaffnete in der irakischen Stadt Bakuba vor einer sunnitischen Moschee um sich geschossen. Der Polizei zufolge wurde ein Mensch getötet.

Die Bewaffneten hätten am Donnerstag aus zwei Autos heraus das Feuer eröffnet. In der Nähe von Bagdad wurden in der Nacht 47 von Kugeln durchsiebte Leichen gefunden. Um wen es sich bei den Toten handelte, stand demnach zunächst noch nicht fest.

Gestern war die Gewalt im Irak förmlich explodiert, nachdem sunnitische Extremisten in einer gezielten Provokation die Goldene Moschee in Samarra in die Luft gesprengt und dabei schwer beschädigt hatten. In der Moschee sind der elfte und zwölfte Imam begraben.

Die Schiiten reagierten heftig: Im ganzen Land gingen tausende wütende Gläubige auf die Strasse. Dutzende sunnitische Moscheen wurden angegriffen und in Brand gesetzt. Mehrere Menschen starben. Unter den Toten waren auch drei sunnitische Geistliche.

In Samarra wurden am Mittwoch auch drei Journalisten des arabischen Fernsehsenders El Arabija getötetet, wie der Sender am Donnerstag bekannt gab. Die Leichen einer Moderatorin, eines Kameramanns und eines Tonassistenten wurden nach Polizeiangaben am Donnerstag in der Nähe von Samarra entdeckt. Die Journalisten waren am Stadtrand von Samarra entführt worden.

Übergangspräsident Dschalal Talabani warnte schon am Mittwoch im Fernsehen vor einem «verheerenden Bürgerkrieg». Das geistige Oberhaupt der Schiiten im Irak, Grossajatollah Ali Sistani, rief zu friedlichen Kundgebungen auf.

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Anschlag ebenso wie UNO- Generalsekretär Kofi Annan und die USA. Annan sagte, der Anschlag solle «Frieden und Stabilität im Irak weiter untergraben».

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