36 F-16 bestellt: Irak will wieder eine eigene Luftwaffe
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36 F-16 bestelltIrak will wieder eine eigene Luftwaffe

Die US-Rüstungsindustrie freut sich über Milliardenaufträge, doch eine einsatzfähige irakische Luftwaffe birgt auch Risiken. Im Nachbarland Iran ging ein ähnliches Geschäft gründlich schief.

von
kri

Zyniker prophezeiten zu Beginn des Irakfeldzugs 2003, dass alles, was die amerikanische Armee im Zweistromland zerstört, in Form von Aufträgen der amerikanischen Wirtschaft zugute kommen wird. Sie verstummten angesichts des politischen, humanitären und finanziellen Desasters, in dem sich die USA bald wiederfanden. Zumindest das Schicksal der irakischen Luftwaffe scheint den alten Verdacht aber zu bestätigen. Die einst sechstgrösste Luftstreitmacht der Welt wurde von den USA zerstört oder im Nachhinein verschrottet. Kein einziger Kampfjet aus der Ära Saddam Husseins überlebte.

Inzwischen verfügt der Irak wieder über Kampfhelikopter, Transport- und Aufklärungsflugzeuge – aber keine eigenen Kampfjets. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, sind Verhandlungen über den Kauf von amerikanischen F-16-Kampfjets und Flugabwehrsystemen im Gang. Acht Jahre nach der Invasion und im Hinblick auf den Abzug der letzten verbleibenden Besatzungstruppen schickt sich die Regierung in Bagdad an, die Sicherung ihres Luftraums – und damit einen zentralen Aspekt nationaler Souveränität – wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Lieber ein starker oder schwacher Irak?

Offenbar hatte die irakische Führung zu Beginn des Jahres Pläne für den Kauf von 18 F-16-Jets auf Eis gelegt, als die Volksaufstände in der Region ihre ganze Aufmerksamkeit absorbierten. Inzwischen wird wieder verhandelt, neuerdings sogar über doppelt so viele Flieger. Das «Wall Street Journal» spekuliert, dass die hohen Erölpreise und somit höhere Staatseinnahmen den finanziellen Spielraum der Regierung Nuri al Maliki vergrössert haben. Die Kosten für 36 F-16-Jets plus Flugabwehrsysteme bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich. Stellvertretend für die immer noch schwächelnde US-Wirtschaft dürfen sich Lockheed Martin und andere Rüstungsbetriebe freuen.

Die politische Dimension eines solchen Waffendeals ist freilich eine ganz andere. Ein ehemals verfeindetes Land mit modernstem Kriegsgerät auszurüsten, ist nicht unmittelbar nachvollziehbar, zumal die Sicherheitslage im Irak trotz Fortschritten immer noch zu wünschen übrig lässt. Washington muss verschiedene Risiken gegeneinander abwägen: Ein schwacher Irak, das irgendwann dem Erzfeind Iran in die Hände fallen könnte. Oder ein starker Irak, das seine Stärke irgendwann wieder gegen US-Interessen einsetzen würde – vielleicht sogar im Schulterschluss mit Iran. Offenbar schätzt man letzteres Risiko als kleiner ein.

Im Iran ging das Experiment schief

Die Geschichte hält allerdings eine andere Lektion bereit. 1978 lieferten die USA 79 hochmoderne F-14-Kampfjets an den Iran. Das Schah-Regime galt als verlässlicher Verbündeter in der Region. Tatsächlich war seine Luftwaffe die einzige ausser der U.S. Navy, die über diesen Kampfjet verfügte. Doch noch im selben Jahr veränderten sich die Vorzeichen um 180 Grad, als die iranische Revolution ausbrach. Plötzlich befand sich hochmodernes Kriegsgerät in den Händen Ajatollah Chomeinis, eines erklärten Feindes der USA. Weiteres Unheil konnte hingegen abgewendet werden: 150 F-16-Kampfjets, die der Schah 1976 bestellt und bereits bezahlt hatte, wurden nicht ausgeliefert. Sie landeten stattdessen bei der israelischen Luftwaffe.

Allerdings zeigte das Beispiel der iranischen Luftwaffe auch, wie relativ und vergänglich die Macht ist, die von ausländischem Kriegsgerät ausgeht. Ersatzteile bekam der Iran nach der Revolution keine mehr geliefert, was die Durchschlagskraft seiner F-14 im Krieg gegen den Irak bedeutend schmälerte.

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