Irak: Ziehen US-Truppen Ende Jahr ab?
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Irak: Ziehen US-Truppen Ende Jahr ab?

Die USA könnten nach den Worten von Verteidigungsminister Robert Gates bereits Ende dieses Jahres mit dem Truppenabzug aus dem Irak beginnen.

Voraussetzung sei allerdings, dass die neue Strategie zur Eindämmung der Gewalt in Bagdad Erfolg habe, sagte Gates vor dem Streitkräfteausschuss des Senats am Dienstag.

Als Teil seines neuen Kurses in der Irak-Politik hatte Präsident George W. Bush den Einsatz von 21 500 zusätzlichen Soldaten in dem Land angeordnet, um der ausufernden Gewalt Herr zu werden. Im von den Demokraten beherrschten Kongress stösst der Plan auf scharfen Widerstand.

«Wenn unser Einsatz in diesem Jahr erfolgreich ist, hoffe ich, dass wir mit dem Abzug unserer Soldaten gegen Ende des Jahres beginnen können», sagte Gates. Die Truppenaufstockung sei aber nicht «die letzte Möglichkeit», um einen Sieg im Irak zu erringen, betonte der Verteidigungsminister. Für den Fall, dass die Strategie nicht wirke, würden alternative Möglichkeiten geprüft.

Warten auf Offensive

Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte derweil die Armee auf, ihre Vorbereitungen für die geplante Sicherheitsoffensive in Bagdad zu beschleunigen. Die Menschen dürften nicht enttäuscht werden, sagte Al-Maliki bei einem Treffen mit irakischen Generälen.

Maliki liess durchblicken, die Verzögerung der bereits vor einem Monat angekündigten Offensive gebe der Gewalt im Irak neue Nahrung. Allein in den vergangenen zehn Tagen sind dort bei Anschlägen und Gefechten mehr als tausend Menschen getötet worden, davon mindestens 135 bei einem Selbstmordanschlag in einem Bagdader Schiitenviertel am Samstag.

Der Regierungschef steht unter wachsendem Druck der USA, angesichts der bürgerkriegsartigen Zustände in dem Golfstaat seine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Strassensperren verstärkt

Am Montag hatten die US-Truppen und die irakischen Sicherheitskräfte in Bagdad eine gemeinsame Kommandozentrale für diese Operation in Betrieb genommen. Am Dienstag wurden in der ganzen Stadt neue Strassensperren errichtet. An den Kontrollpunkten der Zufahrtsstrassen standen zahlreiche Militärfahrzeuge.

In Bagdads südlichem Vorort Safaranija starb ein Polizist, als ein Sprengsatz neben einer Patrouille detonierte. Drei weitere Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Diplomat in Bagdad entführt

Als irakische Soldaten getarnte Angreifer haben den Zweiten Sekretär der iranischen Botschaft in Bagdad verschleppt. Das Aussenministerium in Teheran bestellte die Botschafter der Schweiz und Iraks ein und erhob scharfen Protest.

Der Schweizer Botschafter Philippe Welti musste neben seinem irakischen Kollegen, Mohammed Majid Al-Cheikh, ins iranische Aussenministerium, um die energischsten Proteste der Islamischen Republik entgegenzunehmen, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die Schweiz vertritt in Iran auch die US- amerikanischen Interessen.

Iran macht USA verantwortlich

30 Bewaffnete hätten den Diplomaten bereits am Sonntag im zentralen Karrada-Distrikt der Hauptstadt in ihre Gewalt gebracht, hiess es in Agenturmeldungen. Sie hätten Uniformen einer Sondereinheit der irakischen Armee getragen, die häufig mit US-Truppen zusammenarbeitet.

Das iranische Aussenministerium erklärte, «Elemente, die in Beziehung zum irakischen Verteidigungsministerium stehen, und die bekanntlich unter der Kontrolle der USA stehen», hätten den Diplomaten Dschalal Scharghi entführt.

Es forderte die irakische Regierung und die US-Truppen auf, den Diplomaten sofort freizulassen. Ein Sprecher der US-Truppen im Irak wies den Vorwurf der Verwicklung in den Fall zurück.

Im vergangenen Monat hatten US-Einheiten mehrere Iraner festgenommen, darunter auch Diplomaten. Die Regierung in Washington wirft dem Iran vor, militante Gruppen im Irak zu unterstützen. Die Führung in Teheran bestreitet dies. (sda)

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