Atom-Abkommen: Iran fährt Uran-Anreicherung zurück
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Atom-AbkommenIran fährt Uran-Anreicherung zurück

Iran hat wie vereinbart damit begonnen, die Uran-Anreicherung zu drosseln. Der Ball liegt jetzt beim Westen: Wirtschaftssanktionen müssen gelockert werden.

(Video: Reuters)

Der Iran setzt eine wichtige Forderung der Weltmächte um und stoppt die Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran, das nur noch wenige Schritte von atomwaffentauglichem Material entfernt ist. Nun kann das Land auf die baldige Freigabe erster eingefrorener Ölgelder hoffen.

Der Iran hat die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent eingestellt. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA bestätigte am Montag entsprechende Berichte des iranischen Staatsfernsehens, wonach die Verbindungen zwischen den hintereinandergeschalteten Zentrifugen in der Anreicherungsanlage in Natans gekappt worden seinen. Damit kommt die Regierung in Teheran einer wichtigen Vereinbarung des Atomabkommens nach, das das Land im vergangenen November mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und Deutschland ausgehandelt hatte.

Angst vor Atombombe

Im Gegenzug kann der Iran nun darauf hoffen, dass Wirtschaftssanktionen ausgesetzt werden und erste eingefrorene Ölgelder fliessen. Eine erste Tranche über 550 Millionen Dollar (etwa 406 Millionen Euro) der insgesamt 4,2 Milliarden Dollar an im Ausland eingefrorenen Öleinnahmen soll bereits am 1. Februar ausgezahlt werden.

Der Westen befürchtet, dass hoch angereichertes Uran letztlich zum Bau einer Atombombe führen könnte. Deshalb wurde der Iran mit dem Atomabkommen für sechs Monate verpflichtet, die Anreicherung auf 20 Prozent zu stoppen. In dem halben Jahr wollen die Beteiligten ein endgültiges Abkommen aushandeln, das den Iran dauerhaft vom Bau von Atomwaffen abhalten soll.

Beratungen in Brüssel

In Brüssel kamen am Montag die 28 Aussenminister der Europäischen Union zu ihren routinemässigen Beratungen zusammen. Es wurde erwartet, dass sie einige der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran für die sechsmonatige Dauer des Atomabkommens aussetzen. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton, die die Verhandlungen zwischen den sechs Ländern und dem Iran geleitet hatte, wollte ihnen Bericht erstatten.

Unter anderem kann der Iran damit rechnen, petrochemische Produkte wieder ausführen zu dürfen. Zudem sollen die Einfuhr von Gütern für die Autoindustrie sowie der Handel mit Edelmetallen erlaubt werden. Ferner kann der Iran seine Ölexporte von geschätzten eine Million Barrel täglich beibehalten. Während der Dauer des vorläufigen Atomabkommens muss der Iran mit keinen weiteren Sanktionen rechnen.

Weitere Öffnung für UN-Inspektoren

Zusätzlich zu dem Produktionsstopp für das hochangereicherte Uran verpflichtete sich Teheran dazu, sein umstrittenes Atomprogramm weiter für UN-Inspektoren zu öffnen und mehr Informationen zu seiner Infrastruktur und seinen Nuklearaktivitäten zu geben. Zudem wird das Land seinen Vorrat an 20-prozentigem Uran vernichten und nur noch auf bis zu fünf Prozent angereichertes Uran herstellen. Der im Bau befindliche Schwerwasserreaktor in Arak soll zudem für die Zeit des vorläufigen Abkommens nicht weitergebaut werden.

Konservative Medien im Iran, die das Abkommen kritisiert hatten, verurteilten den Produktionsstopp. Die Tageszeitung «Watan-e-Emrus» erschien am Montag in schwarz statt der üblichen Farben. Sie bezeichnete den Deal als «nuklearen Holocaust», der ein Geschenk für Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sei. Dieser hatte das Abkommen ebenfalls kritisiert, weil es dem Iran zuviel für zuwenig Zugeständnisse gebe. (sda)

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