«Gefechtsbereitschaft überprüft» - Iran feuert nach Atomgesprächen Raketen ab
Aktualisiert

«Gefechtsbereitschaft überprüft»Iran feuert nach Atomgesprächen Raketen ab

Die Atomgespräche zur Einschränkungen des iranischen Atomprogramms laufen. Nun hat eine Explosion nahe einer iranischen Atomanlage hohe Wellen geworfen.

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In Wien laufen Verhandlungen mit dem Ziel, das iranische Atomprogramm wieder einzuschränken.

In Wien laufen Verhandlungen mit dem Ziel, das iranische Atomprogramm wieder einzuschränken.

imago images/Xinhua
Sowohl die USA als auch die europäischen Vertreter sind mit dem Verlauf der Verhandlungen unzufrieden. (Im Bild: Irans stellvertretender Aussenminister Ali Bagheri Kani).

Sowohl die USA als auch die europäischen Vertreter sind mit dem Verlauf der Verhandlungen unzufrieden. (Im Bild: Irans stellvertretender Aussenminister Ali Bagheri Kani).

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Im Wiener Palais Coburg verhandeln die Delegationen, doch der Iran lasse keine «ernsthaften» Bemühungen erkennen einzulenken.

Im Wiener Palais Coburg verhandeln die Delegationen, doch der Iran lasse keine «ernsthaften» Bemühungen erkennen einzulenken.

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Darum gehts

  • Aktuell laufen Atomverhandlungen mit dem Iran in Wien.

  • Aus Sicht der USA und der europäischen Verhandler laufen die Gespräche nicht gut.

  • Ein Vertreter der US-Regierung gab an, der Iran lasse keine «ernsthaften» Bemühungen erkennen , sich wieder an die Auflagen des Atomabkommens zu halten.

  • Eine Explosion nahe einer iranischen Atomanlage hat nun für Aufsehen gesorgt.

Die Atomverhandlungen mit dem Iran in Wien laufen aus Sicht der USA und der europäischen Verhandler nicht gut. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien hätten gegenüber der iranischen Seite ihre «Enttäuschung und Besorgnis» über deren Forderungen zum Ausdruck gebracht, hiess es am Freitag aus Diplomatenkreisen. Die USA warfen Teheran vor, keine «konstruktiven Vorschläge» vorgelegt zu haben. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete, die Gespräche sollen vorerst bis mindestens Montag ausgesetzt werden.

«Keine ernsthaften Bemühungen, das Abkommen einzuhalten»

Ein ranghoher Vertreter der US-Regierung erklärte am Samstag, Iran habe Forderungen gestellt, die weit über den Gegenstand der Verhandlungen hinausgingen und keine «ernsthaften» Bemühungen erkennen liessen, sich wieder an die Auflagen des Atomabkommens zu halten. Die USA würden keine Situation akzeptieren, in der Teheran sein Atomprogramm weiter ausbaue und die Verhandlungen nur nutze, um Zeit zu gewinnen, warnte ein US-Diplomat.

Nun hat ein Luftabwehrtest in der Nähe einer iranischen Atomanlage zu einer Explosion am Himmel geführt, die die Anwohner der Region aufschreckte. Einwohner und Einwohnerinnen der 20 Kilometer von der Atomanlage Natans entfernten Stadt Badrud berichteten am Samstagabend nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna von einem lauten Knall und einem Aufleuchten am Himmel. Wenig später gab das iranische Militär Entwarnung und erklärte, dass es einen Test des eigenen Raketensystems gegeben habe.

«Raketensystem in der Region getestet»

«Vor einer Stunde wurde unser Raketensystem in der Region getestet, um unsere Gefechtsbereitschaft zu überprüfen», erklärte der für die Region Natans zuständige Militärkommandeur im staatlichen Fernsehen. «Es gibt keinen Grund zur Sorge.» In Natans werden neue iranische Zentrifugen zur Urananreicherung hergestellt. Die Anlage war mehrfach Ort von Angriffen, die Israel zugeschrieben wurden. Israel will eine atomare Bewaffnung des Irans verhindern. Die Kapazität der Anlage war unlängst nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erhöht worden.

Iran will auf 60 statt 3,67 Prozent anreichern

Der Iran will Uran auf bis zu 60 Prozent anreichern. Das internationale Atomabkommen von 2015 gestattet Teheran lediglich eine Urananreicherung von 3,67 Prozent für eine zivile Nutzung von Atomenergie. Das Abkommen aus dem Jahr 2015 soll Teheran am Bau von Atomwaffen hindern. Unter anderem verpflichtete sich das Land darin auch, seine Kapazitäten für die Urananreicherung einzuschränken und regelmässige Inspektionen seiner Nuklearanlagen zuzulassen. Im Gegenzug wurden internationale Sanktionen aufgehoben.

2018 stiegen die USA unter Präsident Donald Trump aus dem Abkommen aus und verhängten erneut massive Sanktionen gegen den Iran. Danach zog sich Teheran ebenfalls schrittweise aus der Vereinbarung zurück. Seitdem hat der Iran seine Kapazitäten für die Urananreicherung immer weiter ausgebaut und zugleich die Kontrollmöglichkeiten der Internationalen Atombehörde eingeschränkt.

Der jetzige US-Präsident Joe Biden hat grundsätzlich Bereitschaft für eine Neuauflage der Vereinbarung mit dem Iran signalisiert. In Wien laufen derzeit Verhandlungen über eine Wiederbelebung des Abkommens, diese laufen aber nach Ansicht der USA und der europäischen Verhandler nicht gut.

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(AFP/DPA/bre)

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