Iran kritisiert amerikanische Atom-Drohung
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Iran kritisiert amerikanische Atom-Drohung

Der Iran hat Äusserungen von US-Präsident George W. Bush scharf kritisiert, der im Atomstreit mit Teheran auch einen Atomschlag auf iranische Ziele nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat.

In einem Schreiben an UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete der iranische UN-Botschafter Dschawad Sarif die Weigerung Bushs, einen Atomangriff auszuschliessen, und eine ähnliche Äusserung von US-Aussenministerin Condoleezza Rice am Montag als «illegale und unverschämte Drohungen».

Bush hatte am 18. April auf die Frage, ob sich die USA auch die Möglichkeit eines Atomangriffs offenhielten, falls der Iran an der Urananreicherung festhalte, erklärt: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch.» Zugleich betonte er, dass die USA weiterhin nach einer diplomatischen Lösung des Streits suchten. Botschafter Sarif erklärte, die USA missachteten mit solchen Drohungen internationales Recht und grundlegende Prinzipien der UN-Charta. Auch gegen den Atomwaffensperrvertrag verstiessen die USA damit, sagte Sarif.

«Angesichts des illegalen Verhaltens der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit» seien Bushs Äusserungen derart schwerwiegend, dass eine konzertierte und entschlossene Reaktion der UN und des Sicherheitsrats nötig sei, sagte der Botschafter.

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte in einer ersten Reaktion, wenn der Iran anders behandelt werden wolle, müsse er das Streben nach Atomwaffen und den Terrorismus aufgeben. Annans stellvertretende Sprecherin Marie Okabe sagte, der Generalsekretär wolle sich zunächst nicht zu dem Brief äussern.

Die Aussenminister der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien sowie Deutschlands treffen sich am 9. Mai in New York, um über den nächsten Schritt in der Auseinandersetzung zu beraten. Russland forderte den Iran am Samstag abermals auf, die Urananreicherung zu stoppen, blieb aber bei seiner Ablehnung von Sanktionen. China als weitere Vetomacht lehnt ebenfalls Strafmassnahmen gegen Teheran ab. (dapd)

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