Aktualisiert 26.09.2009 17:25

KontrolleIran öffnet Atomanlage und feuert Raketen ab

Einen Tag nach der Entrüstung über eine bisher geheimgehaltene Atomanlage gibt der Iran ein bisschen nach - und provoziert zugleich. Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) will der Iran Zutritt zur Uranfabrik gewähren, und die Revolutionsgarden kündigten unter dem Titel «Grosser Prophet 4» eine Serie von Raketentests für morgen an.

Wie iranische Nachrichtenagenturen am Samstag meldeten, soll mit den Raketentests die Fähigkeit der Streitkräfte zur Abschreckung verbessert werden. Das Mullah-Regime hatte am Freitag ungeachtet der Kritik an seinen Atomplänen überraschend zugegeben, neben einer Urananreicherungsanlage in Natans an einer zweiten Atomfabrik zu bauen. Dieser Bau war bisher der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Verwunderung über westliche Kritik

Die neue Anlage befinde sich rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran und werde in etwa einem Jahr betriebsbereit sein, hiess es. Über die Kritik an dem späten Bekanntwerden des Neubaus zeigte sich der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, verwundert.

Seiner Ansicht nach wäre das Land erst ein halbes Jahr vor Inbetriebnahme verpflichtet gewesen, deren Existenz zu melden. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte die Melderegeln allerdings vor einigen Jahren verschärft. Eine Anlage muss danach schon bei der Planung offengelegt werden.

Obama stellt Iran vor die Wahl

Teheran kündigte an, internationale Inspektoren in seine neue Anlage lassen zu wollen. Ein konkreter Termin wurde allerdings nicht genannt. Es werde eine «Inspektion der neuen Fabrik in angemessener Zeit geben», sagte Salehi im staatlichen Fernsehen.

US-Präsident Barack Obama warnte am Samstag Teheran in seiner wöchentlichen Radio- und Internetbotschaft vor Konsequenzen, sollte die iranische Führung bei ihrem Atomprogramm nicht einlenken. Auf der anderen Seite bot er aber auch einen ernsthaften Dialog an.

Die iranische Regierung habe die Wahl: «Sie kann ihrer Verantwortung nachkommen und sich in die internationale Gemeinschaft integrieren, oder sie gerät unter zunehmenden Druck und Isolierung», erklärte Obama.

Gespräche in Genf am Donnerstag

Zuvor hatte der US-Präsident bekräftigt, eine diplomatische Lösung anzustreben. Doch schliesse er «keine Option aus, wenn es um die Sicherheit der USA geht». Er setze auf die bevorstehenden Gespräche in Genf und hoffe, dass Teheran einlenke.

Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats (USA, Grossbritannien, Russland, Frankreich und China), Deutschlands und des Irans kommen am Donnerstag zusammen. Teheran hat angekündigt, dabei nicht über sein umstrittenes Atomprogramm reden zu wollen, sondern nur über globale Herausforderungen.

Der Iran beteuert, das atomare Material nur für zivile Zwecke nutzen zu wollen, zum Beispiel in der Energieerzeugung. Kritiker befürchten, dass das Land damit Atomwaffen herstellen will. (sda)

Israel: Atomanlage ist für Waffen

Die neue iranische Atomanlage beweist nach den Worten des israelischen Aussenministers Avigdor Lieberman, dass der Iran nach Atomwaffen strebt. Die Anlage diene «ohne Zweifel» militärischen Zwecken, erklärte Lieberman am Samstag im israelischen Rundfunk.

Nach iranischer Darstellung soll Brennstoff für Atomkraftwerke in der Anlage gewonnen werden. Israel sieht im Iran eine strategische Gefahr. (Quelle: AP)

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