Nach Importverbot: Iran stoppt Öllieferungen nach Europa
Aktualisiert

Nach ImportverbotIran stoppt Öllieferungen nach Europa

Der Iran macht die Drohung wahr und hat die Öllieferungen nach Frankreich und Grossbritannien gestoppt. Der Iran kommt damit einem Importverbot der Europäischen Union zuvor.

Wegen des Atomstreits hat die Europäische Union ein Importverbot von Öl aus dem Iran beschlossen, das am 1. Juli 2012 in Kraft treten sollte. Für Frankreich und Grossbritannien gilt dies jetzt schon.

Wegen des Atomstreits hat die Europäische Union ein Importverbot von Öl aus dem Iran beschlossen, das am 1. Juli 2012 in Kraft treten sollte. Für Frankreich und Grossbritannien gilt dies jetzt schon.

Der Iran hat seine Drohung offenbar wahr gemacht und einige Öllieferungen gekappt. Der Export von Öl an britische und französische Firmen sei eingestellt worden, wurde am Sonntag der Sprecher des iranischen Öl-Ministeriums zitiert.

«Wir werden unser Öl an neue Kunden verkaufen», hiess es auf der Website des Ministeriums unter Berufung auf den Sprecher. Im Atomstreit mit der islamischen Republik hatte die EU im Januar beschlossen, die Öl-Einfuhr aus dem Iran am 1. Juli einzustellen. Der Iran hatte daraufhin erklärt, dem Schritt mit einem eigenen Exportstopp zuvorzukommen.

Obwohl die EU-Sanktionen erst ab Juli wirksam werden, bekam der Iran die geplanten Lieferbeschränkungen wichtiger Öl-Abnehmer bereits deutlich zu spüren.

Europäische Kunden drosselten dem jüngsten Monatsbericht der Internationalen Energiebehörde (IEA) zufolge bereits ihre Rohöl- Importe. So hat die französische Total kein Öl mehr aus dem Iran bezogen.

Marktkreisen zufolge hat auch Royal Dutch Shell seinen Ölbezug aus dem Iran drastisch gedrosselt. Rund 25 Prozent der iranischen Ölexporte gehen in Länder der EU.

Mit dem Ölembargo will die EU die Regierung in Teheran im Streit um das iranische Atomprogramm an den Verhandlungstisch zwingen. Der Iran steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Neue Gespräche über Atomprogramm

Gleichzeitig kündigte Aussenminister Ali Akbar Salehi aber eine Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche zum iranischen Atomprogramm an. Die nächste Gesprächsrunde zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland solle wieder in Istanbul stattfinden, sagte er am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Einen Zeitpunkt für das Treffen nannte er jedoch nicht.

Im Hintergrund bereitet sich der Iran offenbar aber auf einen weiteren Ausbau seines Atomprogramms vor. Die iranischen Behörden hätten letzte Vorbereitungen für die Installation tausender moderner Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Fordo getroffen, sagten ranghohe Diplomaten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA am Samstag der Nachrichtenagentur AP.

Damit könnte Uran wesentlich schneller und effizienter angereichert werden als mit den bisherigen Anlagen. Mit der Installation der Zentrifugen sei jedoch noch nicht begonnen worden, betonten die Gewährsleute. Am Montag reist eine ranghohe Delegation der IAEA zu neuen Gesprächen nach Teheran.

Hague warnt Israel

Indessen versucht der Westen Israel von möglichen Plänen für einen Militärschlag gegen den Iran abzubringen. Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama traf am Sonntag auf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak, um mit ihnen über den Iran zu sprechen. Welche Botschaft Tom Donilon nach Israel überbringen sollte, wurde nicht bekannt. Vom Weissen Haus hiess lediglich, sein Besuch sei der jüngste in einer Reihe «regelmässiger, ranghoher Konsultationen». Im Januar hielt sich bereits US-Generalstabschef Martin Dempsey zu Gesprächen in Israel auf, im März wird Netanjahu in den USA erwartet.

Auch der britische Aussenminister William Hague warnte Israel am Sonntag eindringlich vor einem Angriff auf den Iran. Sanktionen und Verhandlungen müssten eine echte Chance gegeben werden, um Teheran zum Einlenken zu bringen.

Der Iran selbst liess die Muskeln spielen und begann nach eigenen Angaben mit einem zweitägigen Manöver der Revolutionsgarden. Die Übung sei am Sonntag vor der Stadt Jasd im Landesinneren gestartet worden, teilte der Befehlshaber des Heeres, Mohammed Pakpur, auf der Website der Streitkräfte, sepahnews.com, mit. Die Revolutionsgarde ist die mächtigste Einheit der iranischen Streitkräfte. Der Iran hat vor dem Hintergrund des Streits um sein Atomprogramm in jüngster Zeit bereits eine Serie von Manövern abgehalten. Europa, Israel und die USA werfen dem Iran vor, Atomwaffen zu entwickeln, was Teheran bestreitet. (sda)

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