Aktualisiert 02.01.2012 17:50

Machtdemonstration

Iran testet erfolgreich Rakete

In der Nähe der Strasse von Hormus führt die iranische Armee derzeit ein grosses Manöver durch. Dabei wurde eine Mittelstreckenrakete erfolgreich abgeschossen.

Von einem iranisches Kriegsschiff wird während des Manöver in der Strasse von Hormus eine Rakete abgefeuert.

Von einem iranisches Kriegsschiff wird während des Manöver in der Strasse von Hormus eine Rakete abgefeuert.

Mit einem Manöver und mehreren Raketentests im Persischen Golf hat das iranische Militär die Muskeln spielen lassen. Die Drohung, bei weiteren Sanktionen die wichtige Transportroute durch die Strasse von Hormus zu blockieren, setzte der Iran aber nicht in die Tat um.

Bei dem Manöver sei «kein Befehl zur Schliessung der Strasse von Hormus gegeben worden», sagte Marine-Chef Habibollah Sajari am Montag im persischen Fernsehen. «Wir sind aber auf verschiedene Szenarien vorbereitet.»

Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi hatte zuvor gedroht, die Seepassage angesichts einer möglichen weiteren Sanktionsrunde des Westens zu sperren. Die Strasse von Hormus liegt zwischen dem Iran und Oman. Sie ist eine der bedeutendsten Schifffahrtsstrassen zu den Ölhäfen Irans und der Golfstaaten.

Weiterentwickelte Rakete getestet

Der Iran testete hingegen am Montag nach eigener Darstellung erfolgreich zwei «Langstreckenraketen». Normalerweise gilt eine solche Rakete mit knapp 200 Kilometern allerdings nur als Mittel- oder Kurzstreckenrakete. Die Tests waren der Höhepunkt der zehntägigen Militärmanövers.

Die abgefeuerte «Ghader» sei eine Fortentwicklung einer früheren Version, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Im Vergleich zum Vorgängermodell sei die neue Rakete in Bezug auf Zielortung, Satellitenkommunikation, Präzision, Reichweite und Tarnung verbessert worden, sagte Mussawi.

Eine Rakete vom Typ «Ghader» habe wie geplant ein Ziel im Golf zerstört, sagte Marine-Admiral Mahmud Mussawi dem staatlichen Fernsehen. Demnach wurde die Rakete von der Küste abgefeuert.

Bei einer zweiten Rakete vom Typ «Nur» habe es sich um eine Boden- Boden-Rakete gehandelt. Bereits am Wochenende hatte der Iran eine neue Mittelstreckenrakete getestet.

Israel fordert Militärschlag

Israel zeigte sich von der militärischen Bedeutung der Raketentests seines Erzfeindes unbeeindruckt. Mit den Tests versuche der Iran zu demonstrieren, dass er in der Lage sei, es mit der von den USA geführten Militärpräsenz des Westens im Golf aufnehmen zu können, sagte Vizeministerpräsident Mosche Jaalon.

«Das könnte aber nicht einmal als wirklich fairer Kampf zwischen beiden Seiten bezeichnet werden», sagte er. Die Sanktionen gegen den iranischen Finanzsektor müssten verschärft und die Drohung mit einem Militärschlag glaubhaft aufrecht erhalten werden.

Scharfe Sanktionen aufgegleist

Hintergrund des Säbelrasselns ist der Streit über das iranische Atomprogramm: Vor allem westliche Länder verdächtigen das ölreiche Land, an Atomwaffen zu forschen. Dies bestreitet die Regierung in Teheran. Nach ihrer Darstellung dient das Programm der Energieerzeugung.

Die USA reagierten auf die Militärmanöver des Irans umgehend. Am Samstag unterzeichnete US-Präsident Barack Obama einen Verteidigungshaushalt, der auch weitere Sanktionen gegen den Iran vorsieht.

Die Sanktionen betreffen Finanztransaktionen mit der iranischen Zentralbank. Strikt angewandt machen sie es für Raffinerie- Unternehmen fast unmöglich, Öl von dem weltweit viertgrössten Ölproduzenten zu kaufen. Die Regelung tritt erst in sechs Monaten in Kraft.

Gesprächsbereitschaft signalisiert

Die US-Drohgebärde führte zumindest auf diplomatischer Ebene zu einer Reaktion des Irans: Am Samstag erklärte sich Teheran bereit, die seit fast einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche über sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. Sein Land sei gewillt, die Verhandlungen mit den fünf Vetomächten im UNO-Sicherheitsrat sowie Deutschland fortzusetzen, sagte Aussenminister Ali-Akbar Salehi.

Brüssel reagierte vorsichtig. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton habe schon im Oktober an Chefunterhändler Said Dschalili geschrieben und bisher keine Antwort erhalten, hiess es. (sda)

Produktion von nuklearem Brennstab

Wissenschaftler haben nach offiziellen Angaben den ersten nuklearen Brennstab des Landes hergestellt. Der Brennstab sei bereits in den Kern eines Forschungsreaktors in Teheran eingesetzt worden, hiess es am Sonntag auf der Website der iranischen Atomenergiebehörde. Ob er mit angereichertem Uran bestückt oder als Teil eines Tests leer war, wurde nicht bekannt.

Der Westen hatte bezweifelt, ob der Iran zur Herstellung von Brennstäben in der Lage sein würde. Teheran hat erklärt, wegen der internationalen Sanktionen könnten keine Brennstäbe im Ausland gekauft werden, das Land müsse sie daher selbst herstellen. (dapd)

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