Aktualisiert 30.11.2011 15:25

Geiselnahme

Iran verhört gefangene britische Soldaten

Nach der Festnahme von 15 britischen Marine-Angehörigen im Persischen Golf hat sich die Tonlage zwischen Grossbritannien und dem Iran verschärft. Teheran wirft London Rechtsbruch vor; London und die EU fordern die Freilassung.

Die britische Regierung bestellte den iranischen Botschafter Rasul Mowahedian am Samstag erneut ins Aussenministerium ein und verlangte die «sofortige Freilassung» der Matrosen, wie eine Sprecherin des Aussenamtes sagte. Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft forderte am Samstag von Iran die umgehende Freilassung der Seeleute.

Die britische Aussenministerin Margaret Beckett hatte Mowahedian schon am Freitag einbestellt. Sie sei «äusserst verstört» über die Festnahme, sagte sie. Die Regierung verlange eine «vollständige Erklärung» von Teheran.

Verstoss gegen Regeln

Der Iran verschärfte seinerseits den Ton und warf den Briten vor, «rechtswidrig» in seine Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Es handle sich um einen «verdächtigen» Vorgang, der gegen weltweit gültige Regeln verstosse, erklärte der iranische Aussenamtssprecher Mohammed Ali Husseini nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna.

Grossbritannien habe die Souveränität der Islamischen Republik verletzt. Es könne sich «unter keinem Vorwand» seiner Verantwortung entziehen.

«Geständnis» der Matrosen

Die 15 britischen Seeleute - unter ihnen gemäss Medienberichten mindestens eine Frau - wurden am Samstag nach Teheran gebracht, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete. General Aliresa Afschar sagte der Agentur, die Matrosen hätten «zugegeben», dass sie rechtswidrig in iranische Gewässer eingedrungen seien.

Nach Angaben der britischen Regierung waren die Seeleute dagegen in irakischem Hoheitsgebiet unterwegs. Sie hätten im Schatt el Arab routinemässig ein Handelsschiff kontrolliert, als die iranische Marine die beiden Boote umstellt und zwangsweise in iranische Gewässer geleitet habe.

Der Schatt el Arab ist der Zusammenfluss von Euphrat und Tigris und trennt den Irak vom Iran. Weiter südlich mündet er in den Persischen Golf.

Weitere Verschlechterung

Durch den Vorfall haben sich die Beziehungen zwischen dem Iran und Grossbritannien weiter verschlechtert. London wirft Teheran seit Jahren vor, im Nachbarland Irak schiitische Gruppierungen mit Waffen zu unterstützen.

Grossbritannien hat seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen die Kontrolle über den Südirak. Durch permanente Kontrollen im Schatt el Arab und und im persischen Golf versucht die britische Marine, den Schmuggel etwa von irakischem Erdöl einzudämmen.

(dapd)

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