Atomstreit: Iran will Atominspektoren einreisen lassen

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AtomstreitIran will Atominspektoren einreisen lassen

Kurz vor der Inbetriebnahme der umstrittenen Nuklearanlage in Fordo, dürfen Experten das Gelände besuchen. Sie vermuten, dass der Iran dort verbotene Waffen herstellen könnte.

Erstmals seit Veröffentlichung des umstrittenen Iran-Dossiers der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sollen deren Experten wieder Atomanlagen im Land begutachten. Die Experten kämen am 28. Januar und sollten die zweite Anlage des Landes zur Uran-Anreicherung in Fordo untersuchen.

Das kündigte das iranische Aussenministerium am Samstag an. Der Besuch der IAEA-Experten war allgemein erwartet worden. Von ihrem Bericht dürfte abhängen, ob die internationalen Gespräche über das iranische Atomprogramm wieder in Gang kommen.

In der lange geheim gehaltenen unterirdischen Anlage Fordo, rund 160 Kilometer südlich von Teheran, soll Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden. Die Iraner wollen die Anlage im Februar in Betrieb nehmen.

Aussenminister: «Iran wird an Nuklearrechten festhalten»

Im UNO-Sicherheitsrat hatten die Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Grossbritanniens und der USA am Mittwoch betont, dass der Iran damit gegen Resolutionen des Sicherheitsrates und auch der IAEA verstosse.

«Die IAEA-Inspektoren werden in den Iran kommen. Ihr Besuch dürfte etwa einen Monat dauern», sagte der Sprecher des Aussenministeriums, Ramin Mehmanparast.

Im Streit um die Uran-Anreicherung zeigte er sich aber unnachgiebig. «Der Iran wird in jedem Fall an seinen Nuklearrechten festhalten und in dieser Angelegenheit keine Zugeständnisse machen», sagte der Sprecher.

Teheran bestreitet Entwicklung von Atombomben weiter

Laut dem im November 2011 veröffentlichten Iran-Bericht der IAEA soll Teheran in einem fortgeschrittenen Stadium an der Herstellung von Uran-Halbkugeln arbeiten, die in Waffen verwendet werden. Das Land wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atombomben zu entwickeln. Teheran bestreitet dies.

Die iranische Führung sprach sich am Freitag für eine Wiederaufnahme der internationalen Atomverhandlungen im Nachbarland Türkei aus. Bereits vor einem Jahr fanden dort die Gespräche statt, waren dann aber wegen fehlender Fortschritte auf unbestimmte Zeit vertagt worden. (sda)

Iran will Beweise haben, dass USA hinter Attentat stecken

Der Iran kann nach eigenen Angaben beweisen, dass die USA hinter dem jüngsten Anschlag auf einen iranischen Atomwissenschaftler stecken. Das iranische Aussenministerium sandte eine diplomatische Note an Washington, in der es den US-Geheimdienst CIA beschuldigt, die Attentäter unterstützt zu haben.

Dafür gebe es «Beweise und vertrauenswürdige Informationen», berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA am Samstag. Ein weiterer Brief ging laut IRNA auch an Grossbritannien. Darin wird London eine «offensichtliche Rolle» bei dem Anschlag auf Mostafa Ahmadi Roschan am vergangenen Mittwoch vorgeworfen.

Die Tötungen von iranischen Atomwissenschaftlern hätten begonnen, nachdem der britische Geheimdienstchef John Sawers 2010 geheime Operationen gegen den Iran angedeutet hatte. Seit 2010 kamen mindestens vier iranische Atomwissenschaftler bei Explosionen ums Leben.

Gleichzeitig drohte der Iran den USA, Grossbritannien und Israel mit Vergeltung. Das Land prüfe derzeit die Bestrafung der Hintermänner des Attentats, sagte ein Sprecher der iranischen Streitkräfte, General Massud Dschasajeri, der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA. «Die Antwort des Iran wird den Unterstützern von staatlichem Terrorismus Qualen bereiten.»

Das Staatsfernsehen zeigte am Samstag Bilder von hunderten Studenten, die aus Protest gegen die Tötung Roschans durch die Strassen Teherans marschierten und eine Fortführung des iranischen Atomprogramms forderten.

Die USA haben jegliche Verwicklung in den Anschlag bestritten. Das britische Aussenministerium verurteilte nach dem Attentat die Tötung von Zivilpersonen. Aus Israel kamen hingegen Andeutungen zu möglichen Geheimdienstoperationen im Iran, jedoch kein Eingeständnis einer direkten Beteiligung.

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