Grüne Armbänder: Iran wirft Protest-Fussballer aus der Nati
Aktualisiert

Grüne ArmbänderIran wirft Protest-Fussballer aus der Nati

Vier iranische Fussballer, die im WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea mit grünen Armbändern aufliefen, wurden zum «Rücktritt» aus dem Nationalteam gezwungen. Drei von ihnen sind bekannte Bundesliga-Profis.

Sechs Iraner sollen beim Anpfiff am letzten Mittwoch in Seoul die Armbänder getragen haben, als Zeichen der Sympathie für die Reformbewegung in ihrem Land. Grün ist die Farbe, mit der sich die Anhänger von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi zu erkennen geben. Auf Druck der Funktionäre entfernten die Spieler in der Halbzeitpause die Armbänder, einzig Captain Mehdi Mahdavikia trug weiterhin eine grüne Binde.

Nun hat das Regime gegen ihn und seine Mitstreiter Ali Karimi, Hossein Kaebi und Vahid Hashemian offenbar hart durchgegriffen. Die vier Spieler seien aus dem Nationalteam «zurückgetreten», berichtete der «Guardian» mit Berufung auf eine regierungsnahe Zeitung. Nach der Rückkehr in den Iran waren ihnen die Pässe abgenommen worden, ausserdem erhielten sie ein Interviewverbot.

Der 32-jährige Vahid Hashemian spielt seit zehn Jahren in der Bundesliga, derzeit ist er beim VfL Bochum unter Vertrag, dem Verein des Schweizer Trainers Marcel Koller. Sein gleichaltriger Kollege Mehdi Mahdavikia ist bei Eintracht Frankfurt Teamkollege von Christoph Spycher, der 31-jährige Ali Karimi spielte 2005 bis 2007 bei Bayern München und der 24-jährige Hossein Kaebi war in der Saison 2007/08 bei Leicester City engagiert. Ebenfalls beteiligt waren Masoud Shojaei und Javad Nekounam, die beide in Spanien für Osasuna Pamplona spielen. Sie wurden offenbar nicht bestraft.

Ehemaliger Verbandschef verhaftet

Ihre Geste auf dem Rasen wird gemäss «Guardian» auch mit der Verhaftung von Mohsen Safayi Farahani in Verbindung gebracht. Er war unter dem Reformpräsidenten Mohammed Chatami Vorsitzender des nationalen Fussballverbands und ist einer von vielen Oppositionellen, die inhaftiert wurden. Eine regierungsnahe Website beschuldigte Farahani, er habe die Spieler bestochen, die Armbänder zu tragen. Im Wahlkampf war er von Präsident Mahmud Ahmadinedschad der Korruption bezichtigt worden.

Ahmadindedschad ist bekennender Fussballfan. Angeblich hatte er auch die Entlassung des ebenfalls aus der Bundesliga bestens bekannten Nationaltrainers Ali Daei nach der 1:2-Heimniederlage gegen Saudi-Arabien im März angeordnet. Genützt hat es nichts: Nach dem 1:1 in Seoul mussten die Iraner ihre WM-Hoffnungen begraben – möglicherweise ein weiteres Motiv für das harte Vorgehen gegen die Protest-Spieler.

(pbl)

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