Aktualisiert 14.05.2006 10:47

Iran zu weiteren Gesprächen über Urananreicherung bereit

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich zu weiteren Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm seines Landes bereit erklärt.

Er werde jedoch nicht mit Regierungen verhandeln, die «Bomben über unsere Köpfe» halten, sagte Ahmadinedschad auf einer Konferenz acht islamischer Staaten in Bali. Forderungen nach einer Aussetzung der iranischen Urananreicherung wies er am Sonntag erneut zurück.

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono erklärte, Ahmadinedschad wolle mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über den Atomstreit sprechen. Der iranische Staatschef habe die Hoffnung, dass alle Beteiligten mit dem echten Willen zu einer friedlichen und angemessenen Lösung in weitere Verhandlungen gingen, erklärte Yudhoyono. In der Abschlusserklärung der D-8-Konferenz hiess es, die beteiligten Länder unterstützten die Entwicklung eines Nuklearprogramms zur Energiegewinnung und zu friedlichen Zwecken.

Ahmadinedschad verwahrte sich gegen jeglichen Druck. Jeder, der mit Gewalt drohe, habe keine Chance auf einen Dialog mit dem Iran, sagte er. Nach seiner Rückkehr nach Teheran erklärte er am Sonntag, er betrachte alle Vorschläge als ungültig, die eine Einstellung der iranischen Urananreicherung vorsehen. Allein der Iran habe das Recht, Entscheidungen über sein Atomprogramm zu treffen.

IAEA-Chef Mohamed ElBaradei zeigte sich unterdessen «erstmals einigermassen optimistisch», dass sich eine friedliche Lösung finden wird. Er habe mittlerweile den Eindruck, dass «alle verstehen, dass wir jeden möglichen Weg zu einer diplomatischen Lösung ausprobieren müssen», sagte ElBaradei am Freitag dem niederländischen Fernsehsender Netwerk. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde hatte am Vortag ein langes Gespräch mit US-Aussenministerin Condoleezza Rice geführt.

Die USA verdächtigen den Iran, die Produktion von Atomwaffen anzustreben, und haben einen Militärschlag gegen Teheran nicht ausgeschlossen. Derzeit bemüht sich Washington allerdings im UN-Sicherheitsrat um eine diplomatische Lösung.

Die Aussenminister der Europäischen Union wollten am Montag offenbar erneut ihre Bereitschaft bekunden, den Iran bei der Entwicklung eines zivilen Atomprogramms zu unterstützen, wenn Teheran im Gegenzug internationalen Kontrollen zustimmt. Zugleich müsse der Iran die Urananreicherung aussetzen, hiess es in einer Erklärung der EU vom Freitag. ElBaradei begrüsste am Samstag die Initiative und äusserte die Hoffnung, dass diese den Iran zurück an den Verhandlungstisch bringen werde.

Indonesien kündigte auf der Konferenz in Bali an, bis 2015 sein erstes grösseres Atomkraftwerk zu bauen. Vier ausländische Unternehmen hätten bereits ihre Unterstützung angeboten, darunter Firmen aus Südkorea, Japan und Frankreich, sagte Energieminister Purnomo Yusgiantoro. Die Anlage soll demnach auf der Halbinsel Muria im Osten Javas entstehen und rund fünf Prozent des Strombedarfs von Indonesien decken. An der Tagung nahmen neben Malaysia, Gastgeber Indonesien und dem Iran auch die Staatschefs von Nigeria und der Türkei sowie Regierungsvertreter aus Ägypten, Pakistan und Bangladesch teil. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.