Iraner schütteln über «Atomfest» den Kopf

Aktualisiert

Iraner schütteln über «Atomfest» den Kopf

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad gerät bei scharfer internationaler Kritik an seiner Atompolitik auch im eigenen Land in die Schusslinie. Seine Wirtschaftspolitik bezeichnen Medien und Opposition schon länger als gescheitert.

Jetzt mehren sich auch Klagen über seinen Kurs im Atomstreit. Äusserungen des 50-jährigen Präsidenten empfinden manche Iraner inzwischen als pure populistische Rhetorik.

So hat er zum 28. Jahrestag der islamischen Revolution am 11. Februar ein landesweites «Atomfest» angekündigt, um «die internationale Anerkennung des iranischen Rechts auf Atomtechnologie» zu feiern.

Das können viele Iraner angesichts von UNO-Sanktionen wegen der verweigerten Einstellung der Urananreicherung kaum nachvollziehen. Grund zum Feiern ist laut Ahmadinedschad auch die Inbetriebnahme von 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung im industriellen Ausmass bis Februar oder spätestens März diesen Jahres.

Verwirrung um Zentrifugen

Bisher sind nach amtlichen Angaben in der Anlage Natans in Zentraliran nur zwei Kaskaden von 164 Zentrifugen in Betrieb. «Wie viele Zentrifugen haben wir denn nun eigentlich?», fragte die sonst regimetreue Tageszeitung «Dschomhuri Islami» dieser Tage.

«Falls dies ein Ablenkungsmanöver sein soll, dann verlieren Sie bald die Unterstützung des Volkes», warnte der Kommentator des Blattes den Präsidenten. Die Zeitung «Hamschahri» bemerkte, eine diplomatische Lösung sei im Atomstreit auf dem Weg gewesen. Ahmadinedschad habe ihn aber mit seiner schroffen Rhetorik verbaut.

Und Ex-Präsident Akbar Haschemi-Rafsandschani, der dem ultrakonservativen Lager des Staatschefs im Dezember bei Gemeindewahlen eine Niederlage bereitet hatte, warnte: «Wenn man jetzt nicht weise handelt, dann wird es nicht einfach, eventuelle Fehler noch rechtzeitig zu beheben.»

Uneinigkeit im Regime

Doch Ahmadinedschad zeigt sich unbeeindruckt. Vom Kompromiss zu reden, sagte er am Donnerstag, «ist Wiederholung der Rhetorik des Feindes, die jedoch beim iranischen Volk auf taube Ohren stossen wird». Für ihn «will der Westen keine Lösung, sondern lediglich Fortschritt und Technologie im Iran verhindern».

Und deshalb will er umgehend mit seinem Kabinett über die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beraten. Vizepräsident Gholam-Resa Aghasadeh, Chef der Atomorganisation, hat allerdings schon klar gestellt: «Unsere Atomprogramme bleiben unter IAEA-Aufsicht.»

Letztes Wort bei Chamenei

Wie der Iran sich im Atomstreit verhält, hängt aber letztlich vom obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, ab. Der 67- Jährige ist nicht nur die höchste Autorität in religiösen Belangen, sondern entscheidet als letzte Instanz auch über den politischen Kurs.

Der Ajatollah hat bislang nicht erkennen lassen, dass er die Urananreicherung einstellen will. Diese hat allen Beteuerungen Teherans zum Trotz, die Kernenergie nur friedlich nutzen zu wollen, den Verdacht im Westen genährt, dass in Wirklichkeit nach Atomwaffen gestrebt werde.

Erst kürzlich ordnete Chamenei an, das Nuklearprogramm fortzusetzen. «Das iranische Volk besteht auf seinen Rechten, und die Regierung ist nicht befugt, hinsichtlich dieser grossartigen Errungenschaft irgendwelche Konzessionen zu machen», verkündete er. (sda)

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