Iranische Behörden halten Leichen zurück

Aktualisiert

Nach ProtestenIranische Behörden halten Leichen zurück

Die iranischen Behörden geben die Leichen von fünf oppositionellen Demonstranten vorerst nicht für eine Bestattung frei. Die Begräbnisse sollen nicht zum neuen Sammelpunkt der Opposition werden.

Unter den Toten befindet sich ein Neffe von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi. Ali Mussawi wurde nach Angaben seiner Familie während der jüngsten Proteste der Regierungsgegner von Sicherheitskräften erschossen. Die Toten sollen obduziert werden, wie die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Montag meldete.

Hintergrund der Nicht-Freigabe der Leichen könnte sein, dass die Behörden verhindern wollen, dass die Begräbnisse zum neuen Sammelpunkt der Opposition werden könnten.

Über 300 Festnahmen

Bei den schwersten Zusammenstössen im Iran seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom Juni kamen am Sonntag mindestens acht Menschen ums Leben. Mindestens 300 Menschen wurden festgenommen. Die USA, die EU und auch Deutschland kritisierten den Einsatz der Sicherheitskräfte scharf.

Die iranischen Behörden weiteten die Internetsperre nach Angaben des Reformlagers aus, so dass Webseiten der Opposition für Iraner nicht mehr zugänglich waren. Auch das Mobilfunknetz war stark eingeschränkt.

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen «den Mut und die Überzeugung des iranischen Volks» gewürdigt. Zugleich verurteilte er an seinem Urlaubsort auf Hawaii das Vorgehen der iranischen Regierung, die Demonstranten mit «der eisernen Faust der Brutalität» angegriffen habe. Die Schwierigkeiten im Iran rührten von der Entscheidung der Führung her, durch Angst und Tyrannei zu regieren, sagte Obama. Er forderte die sofortige Freilassung aller, die im Iran ungerechtfertigt festgenommen worden seien. (dapd)

Schweiz reagiert «besorgt» auf Gewalt im Iran

In einer Stellungnahme verurteilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) «jeglichen Rückgriff auf Gewalt».

Die Meinungsäusserungsfreiheit und das Recht, sich friedlich versammeln zu dürfen, seien universelle Menschenrechte und müssten respektiert werden, schrieb das EDA am Montag. Die Konfliktparteien rief es auf, ihre Meinungsverschiedenheiten «in friedlichem Dialog und nicht mit Gewalt» zu lösen.

In seiner Stellungnahme verwies das EDA auf die «gewalttätigen Zusammenstösse zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften» am Sonntag im Iran, die Tote und Verletzte gefordert hätten. Auch die «zahlreichen Verhaftungen» von Oppositionellen wurden erwähnt.

Zuvor hatten die USA, die EU, Deutschland und Frankreich das Vorgehen der Sicherheitskräfte einhellig scharf verurteilt. Auch das russische Aussenministerium zeigte sich «beunruhigt» und rief zur «Zurückhaltung» auf. (sda)

Deine Meinung