Proteste weiten sich aus: Iranische Polizei dringt in Schule ein und nimmt Kinder fest

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Proteste weiten sich ausIranische Polizei dringt in Schule ein und nimmt Kinder fest

Im iranischen Kurdistan wurden Schulkinder von Sicherheitskräften festgenommen, die in Fahrzeugen ohne Nummernschilder angekommen waren. Die Polizei geht gegen die Proteste weiter mit allen Mitteln vor. 

von
Karin Leuthold

Aufnahmen vom 9. Oktober 2022: Schüler und Schülerinnen gehen im ganzen Land auf die Strasse, die Polizei reagiert oft mit Tränengas. In Bandarabbas im Süden Irans wurden Schülerinnen von der Polizei verfolgt.

20 Minuten /Twitter

Darum gehts

Iranische Sicherheitskräfte sind am Sonntag in ein Schulgelände im iranischen Kurdistan gewaltsam eingedrungen und haben Schulkinder festgenommen. Die Polizisten waren in Fahrzeugen ohne Nummernschilder an der Schule angekommen, wie «The Guardian» schreibt. Die Behörden schlossen am Sonntag zudem alle Schulen und Hochschulen im iranischen Kurdistan. Der Bericht der britischen Zeitung beruht auf Meldungen in den sozialen Medien. 

Weitere Aufnahmen zeigten am Sonntagmorgen Proteste in Dutzenden Orten im ganzen Land, an denen Hunderte von Studentinnen und Studenten teilnahmen. In einem auf Twitter verbreiteten Video sind Sicherheitskräfte zu sehen, die Schülerinnen – teilweise ohne Hidschab – auf einer Strasse in Bandarabbas im Süden des Landes verfolgen. In weiteren Städten werden junge Demonstrierende von der Polizei mit Tränengas, Knüppeln und in vielen Fällen auch mit scharfer Munition angegriffen. 

«Das Blut der Jugend klebt an euren Händen»

Die Proteste erstreckten sich auch auf das Fernsehen. Am Samstagabend hackten Aktivisten der Gruppe Edalat-e Ali (Alis Gerechtigkeit) mehrere Sekunden lang eine Live-Nachrichtensendung des iranischen Staatsfernsehens. «Das Blut der Jugend klebt an euren Händen», war während der Nachrichtensendung zur besten Sendezeit auf den Bildschirmen zu lesen. Über dem Gesicht des obersten geistlichen Führers Ali Chamenei wurden ein Fadenkreuz und Flammen eingeblendet. «Schliesst euch uns an und erhebt euch», hiess es dazu in einer Botschaft in der rechten oberen Ecke des Bildschirms. 

Die iranischen Behörden haben das Internet blockiert, Proteste von der Polizei niederschlagen lassen und Gegner im Ausland für die Unruhen verantwortlich gemacht. Dennoch lassen sich die Demonstrierenden von staatlichen Repressalien nicht einschüchtern.

Das gesamte Ausmass der Proteste und der staatlichen Gegenmassnahmen nach dem Tod von Mahsa Amini ist nach wie vor unklar. Laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf Grundlage von Berichten staatlicher und staatsnaher Medien gab es bis vergangenen Freitag mindestens 1900 Festnahmen in Zusammenhang mit den Kundgebungen. Aus mindestens 50 Städten und Ortschaften wurden Demonstrationen gemeldet. 

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