Atomstreit: Iranischer Atomchef tritt zurück
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AtomstreitIranischer Atomchef tritt zurück

Nach zwölf Jahren im Amt ist der Leiter des umstrittenen iranischen Atomprogramms, Gholamresa Aghasadeh, zurückgetreten. Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat das Rücktrittsgesuch angenommen.

Über die Gründe für den Rücktritt wurde nichts bekannt. Aghasadeh gibt laut der Nachrichtenagentur Isna auch sein Amt als iranischer Vize-Präsident ab. Seinen Rücktritt habe er bereits vor einigen Tagen eingereicht. Ein Nachfolger wurde den Angaben zufolge bisher nicht ernannt.

Der Rücktritt könnte mit einer Neubildung der iranischen Regierung zusammenhängen, die für den kommenden Monat erwartet wird. Nach Ahmadinedschads umstrittenen Wahlsieg bei den Präsidentenwahlen vom 12. Juni steht möglicherweise eine umfangreiche Neuverteilung von Regierungsposten an.

Auch für Mussawi gearbeitet

In den 80er Jahren arbeitete Aghasadeh bereits für den damaligen Regierungschef Mir-Hossein Mussawi, der bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen der schärfste Rivale von Ahmadinedschad war und das Ergebnis nicht anerkennt.

Aghasadeh war 1997 unter Ahmadinedschads Vorgänger, dem reformorientierten Mohammed Chatami, an die Spitze der Behörde gelangt und blieb auch nach dem Machtwechsel 2005 auf seinem Posten. Der 60-Jährige war zuvor von 1985 bis 1997 Erdölminister.

Hauptverantwortlicher

Er gilt als der Hauptverantwortliche für das umstrittene Atomprogramm des Iran. In seiner Zeit wurde mehrere Atomanlagen gebaut, etwa eine Anlage zur Urananreicherung in Natans und eine Fabrik zur Gewinnung von Kernbrennstoff im zentraliranischen Isfahan.

Auch der Bau des ersten iranischen Atomkraftwerks in Buschehr im Süden des Landes, das bis Ende des Jahres in Betrieb genommen werden soll, soll von ihm vorangetrieben worden sein. Vor allem die USA verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Atomkraft am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.

Wegen der Weigerung Teherans, die Anreicherung von Uran zu stoppen, und wegen mangelnder Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verhängte der UNO-Sicherheitsrat in den vergangenen Jahren mehrfach Sanktionen gegen den Iran. Angereichertes Uran wird für Atomkraftwerke benötigt, aber auch für den Bau von Atomwaffen.

Obama wartet nicht ewig

Am Mittwoch hatte US-Aussenministerin Hillary Clinton den Iran erneut aufgefordert, mit dem Westen in einen Dialog über sein Atomprogramm zu treten. Das Gesprächsangebot von Präsident Barack Obama gelte nicht unbegrenzt.

Auch die EU drängt den Iran zu Verhandlungen: Schwedens Aussenminister Carl Bildt warnte am Mittwoch, es nähere sich die Stunde der Wahrheit. Schweden hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die G-8-Staaten auf ihrem Gipfeltreffen im italienischen L'Aquila den Iran aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und der Führung in Teheran eine Frist bis zum G-20-Gipfel im September gesetzt.

Der Iran hatte im April angekündigt, Vorschläge für Verhandlungen auszuarbeiten, ohne aber einen festen Termin zu nennen. Die iranische Führung kündigte zudem mehrfach an, nicht über das Atomprogramm verhandeln zu wollen.

(sda)

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