Lauter Kritiker: Iranisches Regime nimmt prominenten Fussballer fest 

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Lauter KritikerIranisches Regime nimmt prominenten Fussballer fest 

Der Iran hat am Donnerstag den iranisch-kurdischen Fussball-Profi Voria Ghafouri verhaftet. Er wird beschuldigt, die anhaltenden regimefeindlichen Proteste im Land unterstützt zu haben.

von
sih
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Ist im Iran abgeführt worden: Voria Ghafouri.

Ist im Iran abgeführt worden: Voria Ghafouri.

imago images/Amirhossein Kheirkhah
Der Rechtsverteidiger, hier im Dress seines alten Arbeitgebers Esteghlal, hat sich mehrmals öffentlich gegen das System ausgesprochen.

Der Rechtsverteidiger, hier im Dress seines alten Arbeitgebers Esteghlal, hat sich mehrmals öffentlich gegen das System ausgesprochen.

imago images/Amirhossein Kheirkhah
Ghafouri ist 26-facher iranischer Nationalspieler.

Ghafouri ist 26-facher iranischer Nationalspieler.

imago/AFLOSPORT

Darum gehts

  • Der iranische Fussball-Profi Voria Ghafouri ist am Donnerstag im Iran verhaftet worden.

  • Der 35-jährige Aussenverteidiger hat sich mehrfach kritisch gegenüber dem Regime geäussert.

  • Er ist nur einer von vielen öffentlichen Figuren, die in den letzten Monaten festgenommen wurden.

Wegen des Vorwurfs staatsfeindlicher Propaganda ist der bekannte Fussballer Voria Ghafouri (35) am Donnerstag im Iran festgenommen worden. Wie die iranische Agentur Fars meldete, wurde Ghafouri auf Anweisung der Justizbehörden nach einer Trainingseinheit seines Vereins Foolad Khuzestan in Gewahrsam genommen.

Er werde beschuldigt, die iranische Nationalmannschaft beleidigt und deren «Ansehen beschmutzt» zu haben. Ausserdem habe er «Propaganda gegen das System» betrieben und «Randalierer» unterstützt. 

Ghafouri einer von vielen

Rechtsverteidiger Ghafouri, der derzeit beim iranischen Club Foolad Khuzestan unter Vertrag steht, ist ein lautstarker Kritiker des Regimes und dessen gewaltsamer Niederschlagung der derzeit im Land tobenden Proteste. Dass der 26-fache Nationalspieler nicht im Aufgebot Irans für die WM 2022 figuriert, ist diversen Medienberichten zufolge auf dessen Kritik am Regime zurückzuführen.

Der Iran hat seit Beginn der Proteste mehrere Fussballspieler verhaftet, die sich kritisch geäussert hatten, darunter Parviz Boroumand, Hossein Mahini, Hamidreza Aliasgari und Yahya Golmohammadi. Die prominenten ehemaligen iranischen Fussballspieler Ali Karimi und Ali Daei sind ebenfalls unter Beschuss der Behörden geraten, weil sie die Demonstranten unterstützt haben.

WM-Protest «zu wenig und zu spät»

Viele Iraner haben sich angesichts der anhaltenden Unruhen im Land gegen ihre eigene Fussballnationalmannschaft gewandt. Sie sind der Ansicht, dass die Mannschaft eher das Regime als das iranische Volk vertritt. Einige Iraner gingen sogar so weit, die 2:6-Niederlage des Irans im WM-Eröffnungsspiel gegen England am Montag in Katar zu feiern, wie Beiträge in den sozialen Medien zeigten.

Die iranischen Spieler verzichteten beim Spiel gegen England darauf, die Nationalhymne ihres Landes zu singen, um damit offensichtlich die Proteste zu unterstützen. Diese Geste wurde jedoch von vielen Iranern in den sozialen Medien als zu wenig und zu spät abgetan und konnte ihre Unterstützung nicht zurückgewinnen.

Die iranischen Spieler singen die Hymne nicht. 

Video: SRF

Mehr als 400 Tote

Die im September durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ausgelösten Proteste haben sich zu einer der kühnsten Herausforderungen für die Islamische Republik seit ihrer Gründung im Jahr 1979 entwickelt, wobei die Demonstranten einen Regimewechsel forderten.

Mindestens 416 Menschen, darunter 51 Kinder und 27 Frauen, wurden bei den Protesten von Sicherheitskräften getötet, wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) am Dienstag mitteilte. 

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