«Grenzt an Sklaverei»: Irans Nationaltrainerin fordert Aufhebung ihres Ausreiseverbots
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«Grenzt an Sklaverei»Irans Nationaltrainerin fordert Aufhebung ihres Ausreiseverbots

Samira Sargari, die Ski-Nati-Trainerin aus dem Iran, durfte nicht mit ihrem Team an die WM fahren – ihr Mann verbot es ihr. Jetzt hat sie sich dazu geäussert.

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Samira Sargari (Mitte) durfte nicht an die Ski-WM reisen.

Samira Sargari (Mitte) durfte nicht an die Ski-WM reisen.

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Der Grund: Ihr Ehemann verbot es ihr. Das ist im Iran erlaubt.

Der Grund: Ihr Ehemann verbot es ihr. Das ist im Iran erlaubt.

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Nun werden viele kritische Stimmen laut – vor allem aus dem Iran.

Nun werden viele kritische Stimmen laut – vor allem aus dem Iran.

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Darum gehts

  • Samira Sargari darf ihr iranisches Ski-Team nicht in Cortina unterstützen.

  • Ihr Ehemann verbot ihr die Ausreise, was im Iran rechtlich erlaubt ist.

  • Nun hat sich die Trainerin zur Causa geäussert.

  • Auch weitere kritische Stimmen aus dem Iran wurden laut.

Irans Ski-Trainerin Samira Sargari hat sich erstmals zu dem von ihrem Ehemann verhängten Reiseverbot zur Alpin-WM in Italien geäussert. «Ich liebe mein Land und habe seit Jahren hart für die Flagge meines Landes gearbeitet», sagte Sargari nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna am Freitag. «Nun brauche ich die Hilfe und Unterstützung der Behörden». Sie sollen das Ausreiseverbot aufheben und sie zu ihrer Mannschaft in Cortina d’Ampezzo lassen. Die WM in Italien endet allerdings am Sonntag.

Im Iran können verheiratete Frauen ohne die notarielle Erlaubnis ihrer Ehemänner keinen Reisepass beantragen. Auch mit Pass kann der Mann die Ausreise entweder verbieten oder den Pass konfiszieren. Im Iran haben die Ehemänner dazu das Recht, aber bei Frauen in «Spitzenpositionen» könnte die Justiz das Verbot aufheben. Als Trainerin der Nationalmannschaft gehöre Sargari nach Ansicht von Rechtsexperten in Teheran zu den Ausnahmefällen. Das Verbot sollte daher in ihrem Fall revidiert werden, auch wegen der landesweiten Proteste gegen das Ausreiseverbot.

Die iranische Rennfahrerin Forough Abbasi sagte am Donnerstag nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms: «Es ist eine Regel im Iran. Wir versuchen, sie zu ändern. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich wünschte, wir könnten es verändern – alle Frauen im Iran zusammen», so Abbasi zuversichtlich. «Sie werden das sicher ändern. Wir haben so viele starke Frauen, die diese Regel ändern wollen.»

Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

Dass Männer ihren Frauen die Ausreise verbieten können, sei «ein Gesetz, das im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat», sagte die renommierte Anwältin Farideh Ghejrat der Nachrichtenagentur Ilna. Im Ausland werde die Regel nicht akzeptiert, ein Imageverlust insbesondere bei internationalen Grossveranstaltungen sei die Folge. Ähnlich wie Rennfahrerin Abbasi fordert sie eine Abschaffung des Gesetzes.

Der Menschenrechtsaktivist Hassan Assadi-Sejabadi warf der iranischen Justiz gar Sklaverei vor. «Wir haben es mit einem Rechtssystem zu tun, in dem eine Person über das Schicksal einer anderen Person entscheiden darf (...) dies grenzt an Sklaverei», schrieb der Aktivist bei Twitter. In den sozialen Medien erklärten viele ihre Solidarität mit Sargari und riefen zu einem Shitstorm gegen den Ehemann auf.

In den vergangenen Jahren wurde mehreren iranischen Topsportlerinnen in ähnlichen Situationen wie bei Sargari die Ausreise verboten – etwa Nilufar Ardalan, Captain des Frauen-Hallenfussball-Nationalteams, kurz vor dem Abflug zur Asienmeisterschaft 2015.

(dpa/alp)

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